Das Huch.

Wie war das mit dem Huch?

Das Huch traf eines kalten Herbstmorgens vor der Tür auf einen dampfenden Haufen Hundekacke und entrüstete sich wie selbstverständlich mit einem lauten: Huch! Wie widerlich! Es verzog sich dann in das Schneckenhaus seiner Seele, machte die Schotten dicht und stolperte grummelnd in den nächstbesten Passanten: Huch! Verflucht!
In der S-Bahn saß das Huch neben einem Schnaps ausströmenden Spätheimkehrer und erboste sich: Huch! Verdammt!
Bei der Arbeit wurden Politik, Wirtschaft und anderes Ungemach vom Huch mit einem besonders abwertenden: Huch! Wie furchtbar! kommentiert.
Abends traf das Huch seine Freunde Hoppsala! und AchNee? zwecks gemeinsamen Aufstoßens zum Bier. Der eine begegnete an diesem Abend seiner dritten Traumfrau: Hoppsala! Wo kommen Sie den her? Der andere erfuhr von einem Bernhardiner-Züchter die Geheimnisse der Bernhardiner-Züchtung: AchNee? So geht das?
Und das Huch? Das dachte spätnachts vor dem Einschlafen für sich: Ach, was für ein huchiger Tag

So war das mit dem Huch.

Longfellow. Olympia 1972.

1972 wurde Longfellow zum Maskottchen der Olympische Spiele in München: Waldi. Er musste mit hellblauem Kopf und buntgeringeltem Körper ein netter Dackel sein. Longfellow überkam zeitweilig der Wunsch, sich selbst oder andere zu erwürgen. Er tat es dann nicht, sondern heiratete Melinda, seine zweite Frau. Melindas beste Freundin heiratete übrigens einen schwedischen König. Sie hieß Sylvia, er Carl Gustav.

Die Spiele von München eröffnete Longfellow im Olympiastadion mit den Worten: Ich bin ein Dackel und keine Wurst.

Bei den Spielen sollte Longfellow eigentlich als Rocketdackel im Raketenanzug ins Stadion einschweben. Der Wind, der ewige Wind, verwehte ihn bis nach Hollywood, wo er dann erst 1984 bei den Spielen von Los Angeles wieder landete.

Vierzig Jahre nach den Spielen von München lief Longfellow für zwei Wochen mit einem Remember-Mark-Spitz-Schnauzbart herum. (Mark Spitz gewann 1972 sieben Goldmedaillen im Schwimmen, erst 2012 gewann Michael Phelps ohne Bart acht.)

Ulrike Meyfarth sprang 1972 mit 1,92 Meter zur Goldmedaille, Longfellow hopste in seinem ganzem Leben zusammen genommen höchstens 5 Zentimeter. Dafür war er ein begnadeter Tunnelgräber. Tunnelgraben ist leider keine olympische Disziplin.

 

Longfellow. Dackel. Montag.

Mit vier konnte Longfellow seinen Namen tanzen, mit fünf eine Begrüßung auf Suaheli wuffen, und mit sechs war er der jüngste Dackel, der jemals in Oxford ein Philosophiestudium begann. Longfellow galt als Wunderdackel.

Im Moment lag Longfellow auf dem Rücken und spielte tote Katze in Kairo, ein Trick, der ihm schon aus brenzligeren Situationen herausgeholfen hatte. Heute, wie jeden Montag, war nämlich Waschtag. Als tote Katze in Kairo verhält man sich wie ein langhaariges braunes Kissen auf einem langhaarigen braunen Sofa. Bewegungslose Rückenlage, Kopf durchgestreckt nach oben hinten und aus der Schnauze hängt diese Katzentod imitierende Dackelzunge. Longfellow verwendete den Trick seit einer Reise nach Kairo im Jahre 1974. In dem Jahr hatte ihn seine zweite Frau verlassen (eine arrogante Pudelzicke namens Melinda). Alkohol und tote Katze hatten ihm seinerzeit über den Verlust hinweg geholfen.

Gestern hatte Longfellow übrigens vor einem raubeinigen Schäferhund seinen Namen getanzt, ohne das weiter etwas passiert war. Schäferhund sein ist auch nicht leicht.

Das alles hatte natürlich keinerlei Einfluss auf die Ereignisse des heutigen Tages. Montags war und blieb der Langhaardackelwaschtag.

Longfellow. Dackel.

Der graumelierte Langhaardackel Longfellow, ein Name, den ihm einer seiner englischen Ahnen vererbt hatte, war ein Abenteurer, ein verrückter Hund. Sein Name bedeutete soviel wie „lange Folgender“, glaubte zumindest Longfellow, der, auf der Suche nach Abenteuern, jeder heiklen Situation entgegenstürmte und sich nicht scheute, mit seinem Dackelblick auch gegen Windmühlen zu kämpfen.

In seinem langen Dackelleben hatte Longfellow so berühmten Menschen wie Mao Zedong ans Bein gepinkelt (der hieß damals noch Mao Tse Tung und roch sehr stark, da er niemals duschte). Er hatte Robert Redford bei einem Besuch in Hollywood in den kleinen Finger gebissen (seitdem Duzten sie sich). Und er hatte neben Margaret Thatcher gestanden (oder vielmehr unter ihr), als sie wieder einmal einen Bergarbeiterstreik niederknüppeln ließ. Longfellow diente Hemingway als Vorlage für den Dackel in „Der alte Mann und das Meer“ (obwohl da gar kein Dackel mitspielte). Und Longfellow war der erste Dackel auf dem Mond, halbschwer im Dackelanzug, mit fliegenden Ohren im Mondesstaub…

Longfellow hatte mittlerweile das für einen Langhaardackel unglaubliche Alter von „sehr alt“ erreicht. Er atmete meist hörbar ein und aus, seine Ohren hingen, seine Augen tropften. Und doch wartete das Abenteuer an der nächsten Ecke…

Es macht übrigens keinen Unterschied, ob man ein Dackel ist, wie einer aussieht oder wie ein Dackel beschrieben wird. Ein Mensch, zumal jemand mit langem graumeliertem Haar, welches in duftigen Wellen über seinen Kopf flattert (im Wind selbstverständlich, nur im Wind, sonst nicht), solch ein Mensch kann sehr wohl gucken wie ein Dackel. Oder so denken und sein wie ein Dackel.