Longfellow. Dackel.

Der graumelierte Langhaardackel Longfellow, ein Name, den ihm einer seiner englischen Ahnen vererbt hatte, war ein Abenteurer, ein verrückter Hund. Sein Name bedeutete soviel wie „lange Folgender“, glaubte zumindest Longfellow, der, auf der Suche nach Abenteuern, jeder heiklen Situation entgegenstürmte und sich nicht scheute, mit seinem Dackelblick auch gegen Windmühlen zu kämpfen.

In seinem langen Dackelleben hatte Longfellow so berühmten Menschen wie Mao Zedong ans Bein gepinkelt (der hieß damals noch Mao Tse Tung und roch sehr stark, da er niemals duschte). Er hatte Robert Redford bei einem Besuch in Hollywood in den kleinen Finger gebissen (seitdem Duzten sie sich). Und er hatte neben Margaret Thatcher gestanden (oder vielmehr unter ihr), als sie wieder einmal einen Bergarbeiterstreik niederknüppeln ließ. Longfellow diente Hemingway als Vorlage für den Dackel in „Der alte Mann und das Meer“ (obwohl da gar kein Dackel mitspielte). Und Longfellow war der erste Dackel auf dem Mond, halbschwer im Dackelanzug, mit fliegenden Ohren im Mondesstaub…

Longfellow hatte mittlerweile das für einen Langhaardackel unglaubliche Alter von „sehr alt“ erreicht. Er atmete meist hörbar ein und aus, seine Ohren hingen, seine Augen tropften. Und doch wartete das Abenteuer an der nächsten Ecke…

Es macht übrigens keinen Unterschied, ob man ein Dackel ist, wie einer aussieht oder wie ein Dackel beschrieben wird. Ein Mensch, zumal jemand mit langem graumeliertem Haar, welches in duftigen Wellen über seinen Kopf flattert (im Wind selbstverständlich, nur im Wind, sonst nicht), solch ein Mensch kann sehr wohl gucken wie ein Dackel. Oder so denken und sein wie ein Dackel.

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