Bauie.

Godzilla und King Kong saßen nach einen anstrengenden Vormittag auf dem Kinderbauplatz, dem Bauie, auf einer Bank. Die Sonne schien, es wurde langsam wärmer, eines langen Kindertages Arbeit war getan.
Godzilla blinzelte gerade die Sonne an, da meinte King Kong:
John-Boy hat gesagt, dass sein Vater gesagt hat, dass Yoga was für Mädchen ist, die nicht einparken können.
Godzilla grunzte. John-Boy hieß eigentlich Ingo, nannte sich aber John-Boy. Umtaufen war in diesem Jahr groß angesagt. John-Boy war King Kongs bester Freund.
Finde ich gar nicht, meinte Godzilla nach einer Weile. Ich glaube, Yoga kann jeder.
King Kong dachte sehr lange nach. Er nahm sogar seinen Kopf ab und kratzte sich mühsam ein Kopfjucken weg.
Du, Godzilla, was ist ein Yoga?
Der hat bei StarWars mitgespielt. Das war der kleine grüne.
Und der kann nicht parken?
Was weiß ich denn? Frag doch John-Boys Vater.

Und Mädchen? Was ist das?

Plausch.

Godzilla und King Kong saßen im Vorzimmer zur Hölle und unterhielten sich über die Chancen, ihrem Geschick zu entkommen. Godzilla knabberte an zwei japanischen Atomwissenschaftlern. King Kong schlug mit dem Körper der weißen Frau vergebens nach ein paar Fliegen. Nach einer Weile meinte Godzilla, die Situation stelle ihn nicht zufrieden. Das läge auch an King Kongs Image.
Was für ein Image? King Kong runzelte die Stirn. Was war noch schnell ‚Image‘?
Alle halten dich für ein grobmotoriges, furchtverbreitendes Monster, nicht für den sensiblen, zurückhaltenden Kerl, den ich kenne.
King Kong kratzte mit den zerfransten Resten der weißen Frau seinen Rücken. So hatte noch nie jemand mit ihm gesprochen. Grobmotorisch, was sollte das denn heißen?

Irgendwann zwackte Godzilla einem der Wissenschaftler einen Fuß ab und spukte ihn wie die abgebissene Spitze einer Zigarre in Richtung Höllentor: Glaubst du, dass es da drinnen wärmer ist? Findest du es nicht auch irgendwie kalt hier? Und herzlos?
King Kong hüstelte verlegen. Er wusste es nicht. Er wusste ja nicht einmal, was die Hölle eigentlich war und warum er hier sitzen und warten musste. Nur, um etwas zu sagen, fragte er Godzilla: Kannst du vielleicht Ching-Chang-Chong?
Nee, wie wäre denn Stein-Schere-Papier?

Irgendwann schlief ihre Unterhaltung ein. Godzilla lehnte den Kopf nach hinten an die Wand und britzelte ab und an mit seinem Godzillaatem die übrig gebliebenen Fliegen tot. King Kong hatte Schluckauf. Er war irgendwie nervös.

Endlich öffnete sich das Tor zur Hölle: Kommt rein Kinder, zieht eure Kostüme aus, jetzt ist Bescherung. Ich hoffe, ihr habt eure Gedichte gelernt.
King Kong erinnerte sich ganz plötzlich wieder: Das war es, das war die Hölle. Wenn man an Heilig Abend sein Gedicht nicht kannte.

Grummelmann.

Aus Protest gegen die Textilindustrie trug Grummelmann seine Unterhosen auf links. Das beengte zwar seinen Schritt, aber dass wusste ja niemand. Bis Grummelmann sein Protestplakat hervorholte: Gegen Nerzunterwäsche!

In seiner Wohnung hatte Grummelmann am Fenster ein Plakat angebracht: Niemals Wollsocken! Die meisten hielten Grummelmann für einen Spinner.

Grummelmann war mit den Jahren etwas ruhiger geworden. Er protestierte in der S-Bahn nur noch, wenn er auf Betrunkene traf. Oder Esser. Oder Handytelefonierer. Oder Sitzenbleiber. Oder überhaupt.

Kurz nach Grummelmanns Beerdigung bohrte sich aus zwei Metern Tiefe ein kleiner Fahnenmast nach oben, durchstieß mit einem leisen Plopp die Graboberfläche und entfaltete einen Protestwimpel: Nieder mit dem Tod!

Eine Ewigkeit später saß Grummelmann auf einer Wolke und starrte engelsgleich auf einen Kehrichthaufen. Plötzlich kam Gott mit einem Besen um die Ecke. Nach einem kurzen Streitgespräch beruhigte sich die Situation: Grummelmann blieb Engel und Gott fuhr öfters S-Bahn.

Von den Ranten.

Transpiranten sind diejenigen Menschen, die mich zum Schwitzen bringen, zum Beispiel junge („mir ist das hier alles scheiße“) Kassiererinnen im Supermarkt und Armleuchter. Inspiranten sind die Menschen, die einen zu Höherem inspirieren, etwa Armleuchter und junge Kassiererinnen. Die junge Dame an meiner Kasse war ein solcher Rant (beziehungsweise eine Rantante), dass ich vor lauter Armleuchterei das Licht im Dunkeln dieses elenden Tunnels von Schlange vor ihrer Kasse nicht mehr ertrug und mich im Stehen erwürgte. Nur in Gedanken selbstverständlich. Ich wartete, bis ich nach einer gefühlten dreiviertel Stunde endlich dran war, und spuckte mir vor Wut kochend selbst ins Gesicht, indem ich den Rotz meiner Nase einmal kräftig durchzog, den Kopf in den Nacken legte, nach oben rotzte und wartete. Die Armleuchterin rief, wie nicht anders zu erwarten, ihren Chef, den Oberarmleuchter (mit Oberarmen so breit wie die Unterschenkel eines Elefanten). Ich erinnerte ihn wegen des groovy Feelings an die lange vergangenen Tage von Woodstock, an Peace, Love und Happiness und das ganze Zeugs. Er erinnerte mich daran, dass wir uns nicht nur nicht kannten, sondern er selbst zum Zeitpunkt von Woodstock noch nicht einmal angedacht, geschweige denn geboren war. Ich sagte ja, solche Menschen brächten mich zum Transpirieren vor lauter Inspiration, die mich folglich unerwartet überkam. Ich beschimpfte ihn und seine Kassiererin (und, etwas über das Ziel hinausschießend, mit ihr alle jungen Kassiererinnen aller Supermärkte der Welt in ihrer Gesamtheit) erfindungsreich als Menschen mit Kröpfen, was sowohl er als auch sie (die an der Kasse) in den falschen Hals kriegten, worauf ich auf die Mauern in den Köpfen verwies und dass es dort ebenso Kröpfe gebe wie in den Alpen (also die Kröpfe in die Köpfe). Die Schlange, die sich hinter mir bildete, war mittlerweile länger, als die, wie sie war, als ich mich in sie stellte (also länger als wie vorher). Ich beschimpfte jetzt nicht nur ihn und seine Kassiererin, sondern begab mich auf den steinigen Pfad der generellen Konsumgesellschaftskritik. Das kam, ich sage es ganz deutlich, bei der Schlange nicht wirklich gut an, zumal ich mich mit den beiden Flaschen Champagner, den zehn Austern und dem mit Blattgold durchsetztem Danziger Goldwasser nicht am untersten Rand der kaufenden Gesellschaftsschicht tummelte. Fazit des Ganzen, um diesen Diskurs hiermit zu beenden: Man schmiss mich. Raus. Diese Rantanten, diese uninspirierten. Den Champagner kaufte ich dann etwas weniger beleidigend (aber mit einigem Stolz) woanders.