Von den Ranten.

Transpiranten sind diejenigen Menschen, die mich zum Schwitzen bringen, zum Beispiel junge („mir ist das hier alles scheiße“) Kassiererinnen im Supermarkt und Armleuchter. Inspiranten sind die Menschen, die einen zu Höherem inspirieren, etwa Armleuchter und junge Kassiererinnen. Die junge Dame an meiner Kasse war ein solcher Rant (beziehungsweise eine Rantante), dass ich vor lauter Armleuchterei das Licht im Dunkeln dieses elenden Tunnels von Schlange vor ihrer Kasse nicht mehr ertrug und mich im Stehen erwürgte. Nur in Gedanken selbstverständlich. Ich wartete, bis ich nach einer gefühlten dreiviertel Stunde endlich dran war, und spuckte mir vor Wut kochend selbst ins Gesicht, indem ich den Rotz meiner Nase einmal kräftig durchzog, den Kopf in den Nacken legte, nach oben rotzte und wartete. Die Armleuchterin rief, wie nicht anders zu erwarten, ihren Chef, den Oberarmleuchter (mit Oberarmen so breit wie die Unterschenkel eines Elefanten). Ich erinnerte ihn wegen des groovy Feelings an die lange vergangenen Tage von Woodstock, an Peace, Love und Happiness und das ganze Zeugs. Er erinnerte mich daran, dass wir uns nicht nur nicht kannten, sondern er selbst zum Zeitpunkt von Woodstock noch nicht einmal angedacht, geschweige denn geboren war. Ich sagte ja, solche Menschen brächten mich zum Transpirieren vor lauter Inspiration, die mich folglich unerwartet überkam. Ich beschimpfte ihn und seine Kassiererin (und, etwas über das Ziel hinausschießend, mit ihr alle jungen Kassiererinnen aller Supermärkte der Welt in ihrer Gesamtheit) erfindungsreich als Menschen mit Kröpfen, was sowohl er als auch sie (die an der Kasse) in den falschen Hals kriegten, worauf ich auf die Mauern in den Köpfen verwies und dass es dort ebenso Kröpfe gebe wie in den Alpen (also die Kröpfe in die Köpfe). Die Schlange, die sich hinter mir bildete, war mittlerweile länger, als die, wie sie war, als ich mich in sie stellte (also länger als wie vorher). Ich beschimpfte jetzt nicht nur ihn und seine Kassiererin, sondern begab mich auf den steinigen Pfad der generellen Konsumgesellschaftskritik. Das kam, ich sage es ganz deutlich, bei der Schlange nicht wirklich gut an, zumal ich mich mit den beiden Flaschen Champagner, den zehn Austern und dem mit Blattgold durchsetztem Danziger Goldwasser nicht am untersten Rand der kaufenden Gesellschaftsschicht tummelte. Fazit des Ganzen, um diesen Diskurs hiermit zu beenden: Man schmiss mich. Raus. Diese Rantanten, diese uninspirierten. Den Champagner kaufte ich dann etwas weniger beleidigend (aber mit einigem Stolz) woanders.

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