Morton Müller.

Was soll man schon sagen über Morton Müller, den Mann, der behauptet, er sei mit King Kong verwandt, obgleich er weder die entsprechende Größe besaß, noch überhaupt eine Ähnlichkeit bestand. Er war ganze einszweiunddreißig groß, spärlich behaart und einem großen, haarigen Affen so ähnlich wie eine Zwiebelmettwurst einem Gnu. Und niemand hätte ihn jemals als Gnu bezeichnet, geschweige denn als Mettwurst aus Zwiebel. Er war, man darf es so sagen, ein Meister im Behauptungen auf- und im Sachen anstellen. Außerdem mochte er es gerne dramatisch. So kam er, wenn man ihn fragte, wie es ihm denn ginge, immer gerade von irgendwoher, neulich von einer Expedition ins Amazonasbecken, wo es ihm gelungen war, Hubertus Humperdinck aufzuspüren, den Erfinder des Kugelschreibers. Reiner Zufall, wie Morton Müller entschuldigend hinzufügte. Leider hatte noch nie jemand von Hubertus Humperdinck gehört und der Kugelschreiber wurde in Ungarn erfunden, von einem Ungarn mit ungarischem Namen, nicht von jemandem namens Hubertus Humperdinck, was sich ja eher belgisch anhört. Oder er berichtete über Satellitentelefon aus der Wüste Gobi, die er gerade ohne Fahrrad aber mit Fahrradklingel durchquerte. Die Fahrradklingel zeigte er nach seiner Rückkehr jedem, der ihm irgendwie nicht glauben wollte. Gerne telefonierte Morton Müller Freunde und Bekannte nachts aus dem Bett und besprach Anrufbeantworter bis zum Abpiepsen mit Blödsinn, Halbwahrheiten und Geschichten, die immerzu fremdartig beunruhigend und unglaublich klangen. Das führte in Mortons Bekanntenkreis zu einer enorm hohen Zahl von Geheimnummern, die sich kein Mensch mehr merken konnte, weswegen auch kaum noch telefoniert wurde. Morton Müller gelang es immer, auf diesen paar Häppchen Wahrheit herumzureiten, die bekanntlich in jeder Geschichte stecken, und er wusste, wo Bartels den Most holt, wie der alte Hinrichsen das nannte: Der klabüstert dich voll, das haste nicht gesehen! Womit er nicht meinte, Morton Müllers Geschichten wären erfunden, nein, alles, was von Morton Müller kam, klang weit ausholend dramatisch, übertrieben glaubwürdig und gut möglich.
Nebenbei, nur ganz kurz erwähnt, hatte Morton Müller nur einen Fuß (an einem Bein, am anderen Bein hatte er einen anderen Fuß). Der Fuß war so groß, dass er, wenn Morton sich auf den Rücken legte und den Fuß in die Höhe hielt, genügend Schatten für ein Mittagsschläfchen spendete. Und nun zu den tatsächlichen Begebenheiten aus seinem Leben.

Fortsetzung folgt….

 

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