Wie Morton Müller bewies, dass er keine Füße am Kopf hatte.

… Fortsetzung von Morton Müller.

Morton Müller behauptete, alle Hobbits wären Kopffüßler, weil sie ja sonst von der Erde herunterfielen, da unten, auf der gegenüberliegenden Seite in Neuseeland. Filme mit Hobbits werden immer in Neuseeland gedreht, meinte Morton Müller, das muss ja einen Grund haben. Allerdings glaubte ihm niemand, dass den Hobbits die Füße direkt aus dem Kopf wuchsen, Füße, mit denen sie dann so dicht über dem Boden herumwatschelten, dass sie doch tatsächlich das Paradies sehen konnten. Das Paradies nämlich, so Morton Müller, befände sich vor aller Augen, sichtbar für jeden, der nur richtig hinguckte, im Kopf, am Kopf oder nahe am Kopf vorbei am Boden. Und die Hobbits hatten es gesehen.
Da klabüstert sich aber einer was zusammen, kommentierte das der alte Hinrichsen, und was es denn in Neuseeland in Fußhöhe so Wunderbares zu sehen gäbe, zwischen all den Kiwis und diesen Unmengen Schafskötel, die da herumliegen, bei den Neuseeländern, diesem seltsamen Menschenschlag. Woraufhin Morton Müller seinen Körper auf einen Tisch wuchtete, entgeistert in die Runde starrte und ohnmächtig hintüber fiel. Fürderhin würde er, so seine ersten Worte nach Wiedererwachen, für seine Behauptungen Beweise vorlegen, niemand solle jemals von ihm sagen, er sei ein Lügner. Dann zeigte er, wie immer in solchen Momenten, seine Fahrradklingel herum und dozierte über die Gobi, anschließend gab er dem alten Hinrichsen aber so einen mit einer schmackhaften Putenoberkeule (an der noch etwas Rotkohl haftete), dass dieser kleinlaut eingestand, noch nicht einmal in Bottrop gewesen zu sein, was ja bekanntlich ziemlich weit vor Neuseeland liegt.
Irgendwann an diesem Abend kam Hinrichsen auf die Idee, dass, wenn diese Hobbits auf der anderen Seite der Erdkugel auf dem Kopf gingen, damit sie nicht herunterfielen, und er selbst ein Hobbit wäre, was, Gottseisgedankt, nicht der Fall war, und er würde da unten in Neuseeland leben oder vielmehr seine Rente genießen, dass er dann ja wohl davon ausgehen dürfte, dass die auf der anderen Seite, also wir hier oben, genauso auf dem Kopf gehen müssten, schon wegen der ausgleichenden Gerechtigkeit und weil sie ja sonst ebenfalls herunterfielen. Hinrichsens Idee kam so schwerfällig rüber wie Hinrichsen selbst, der weit über das Doppelte von dem wog, was alle dachten. Außerdem würden, wenn er, wie gesagt, ein Hobbit wäre, die neuseeländischen Kopffüßler als einzige Menschen „richtig“ gehen, alle übrigen auf ihren zwei wackeligen Beinen wären nur schweratmige Arschkrampen. Was wiederum Morton Müller so in Rage brachte, dass er wütend behauptete, die Erde sei eine Scheibe, und Scheiben hätten die Veranlagung, ein Oben und ein Unten zu besitzen, je nachdem, wie rum man sie gerade hält. Und wo er wäre, da wäre auf jeden Fall Oben, sonst würde er ja auf dem Kopf gehen, was er nicht tat, wie man sehen konnte, und auch gar nicht wollte, wo er doch schon bei einem einfachen Handstand umkippte. Da stimmten ihm alle spontan zu, noch nie hatte jemand Morton Müller einen passablen Handstand stehen sehen, geschweige denn irgendwelche Füße direkt an seinem Kopf, obwohl er ja bei seiner geringen Größe ziemlich weit unten ging. Schlussendlich verabschiedeten sich alle zufrieden aber nachdenklich nach Hause und fragten einander: Hatte Morton Müller vielleicht doch schon mal das Paradies gesehen, da unten in den Bereichen in denen er lebte? Man wusste es nicht.

Fortsetzung folgt…

 

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