Wie Morton Müller den heiligen Gral fand.

Fortsetzung von
Morton Müller.
Wie Morton Müller bewies, dass er keine Füße am Kopf hatte.
Wie Morton Müller mit der Pretty Belinda was hatte.

Und dann war da die Sache mit dem Gral, dem heil’gen, dem Jesus sein Becher, wie Hinrichsen das nannte, aus dem der selbige in der besagten Nacht seine letzten Schlucke Fanta geschlubbert hatte, bevor er über die Wupper juppte, aber das wusste Hinrichsen doch schon, das weiß doch jeder. Was man nicht wusste in Hamburg, was nur Morton Müller beantworten konnte, war die Frage, warum der Gral, dieses unscheinbare Becherchen, ausgerechnet im Museum für Kunst und Gewerbe aufbewahrt wurde und nur Morton Müller davon wusste und zufällig auch der einzige war, der die Kombination der Hintertür des MfKuG (Museum für Kunst und Gewerbe, ausgesprochen: Muffkuck) kannte, diese berühmte Zahlenreihe 1-2-3-4, die sich einst der erste Direktor des Muffkuck als Namen für seine vier Söhne gewünscht hatte (er und seine liebreizende Frau hinterließen der Welt stattdessen vier liebreizende Töchterchen, die alle nach der beliebten festkochenden Kartoffel Sieglinde gerufen wurden, nämlich Sieglinde-eins-bis-vier), so dass Morton Müller alle, die ihn kannten und die ihm wie immer glaubten, dazu einlud, ihm, dem großartigen (aber klein gewachsenen) Gralsritter in das Abenteuer zur Wiederauffindung des heiligen Bechers zu folgen, nachts, im Muffkuck, leise die geheime Kombination für sich murmelnd: 1-2-3-4, 1-2-3-4.
Und tatsächlich fand Morton Müller in einem Regal mit anderen elektronischen Ikonen den Gral, etwas moderner zwar, etwas näher dran am heutigen Menschen (der Gral stand neben einer elektronischen Kugelkopfschreibmaschine), etwas greifbarer als so ein Blechbecher, er war nämlich jetzt ein iPhone, kaum zum Trinken zu gebrauchen, doch mit dem Foto eines silbernen Becherchens als Hintergrundbild, in den Farben changierend, bei Bewegung gluckernd, aber eben nicht wirklich und wahrhaftig und ewige Jugend versprechend oder Schönheit, Reichtum, vollkommene Macht oder was man sich sonst so vorstellt. Und doch war Morton Müller, fand er, gralsmäßig damit so weit vorne, dass man ihn von den hinteren Reihen aus kaum noch entdecken konnte, wie er auch zum alten Hinrichsen bemerkte, der den Gral missgünstig verdattert das neue Babylon nannte, das goldene Kalb, den Dämon Mammon. Den Memmerich nannte ihn darauf der Morton Müller, den Miesepeter, den Macker, den Hamburger. Woraufhin sich des Muffkucks iPhone mit einem leisen Schnaufer: Pfft! verabschiedete, weil der Akku nämlich alle war. Das war’s dann mit dem Gral gewesen, grunzte da der alte Hinrichsen. Ich hasse Leute, die „war gewesen“ sagen, antwortete Morton Müller, denen hau‘ ich gerne auch mal eins aufs Maul, den war-Gewesenen, dies sage ich dir, Hinrichsen. Nein, das sage ich dir, Morton Müllerchen. Nenn mich niemals Müllerchen, du. Ich bitte dich, Morton Müller, um Himmels Willen, im Angesicht des Grals, schlage mich nicht schon wieder mit dieser Pute.

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