Wie Morton Müller mit der Pretty Belinda was hatte.

Fortsetzung von
Morton Müller. und
Wie Morton Müller bewies, dass er keine Füße am Kopf hatte.

Und dann behauptete Morton Müller, er hätte sich mehrere Nächte mit einem Klopfgeist namens Pretty Belinda um die Ohren geschlagen. Pretty Belinda hätte ihn nachts aus dem Schlaf geklopft und behauptet, auf einem Boathouse zu leben und die Wellen seien im Moment so hoch und der Wind sei so scharf und die Luft wäre voll böser Ahnungen und ob Morton Müller ihr da nicht ein wenig beistehen könnte so mitten in der Nacht, wobei Morton Müller selbstverständlich annahm, dass alle wussten, was ein Boathouse war, nämlich ein Hausboot der Extraklasse, was Morton Müller dann auch bewies, indem er alle mit an den Hamburger Hafen nahm, wo doch tatsächlich das Boathouse im Wellengekröse lag, unterhalb der berühmten unfertigen Elbphilharmonie, wo laut Morton Müller sein Klopfgeist Pretty Belinda arbeitete, nicht als Opernsängerin, wie alle gehofft hatten, sondern als Reinigungsfachkraft für Außenfenster. Und wirklich, weit hinten oben an der Elbphilharmonie hing Pretty Belinda, ganz klein anzusehen an mehreren Seilen gesichert, außen an einem der zehntausend Fenster und putzte den Dreck ab von den Schornsteinen der Riesenkreuzfahrtschiffe, die an einem Liegetag im Hafen so viel Abgase in die Stadt verpusteten, wie zehntausend, ach, was sag ich, elftausend Kühe es nicht in hundert Jahren schafften. Woraufhin der alte Hinrichsen meinte, das sei an Übertreibung das Übelste, was ihm je untergekommen wäre, Kühe hätten gar keine Schornsteine, was ihm prompt einen Schlag mit Morton Müllers Putenoberkeule einbrachte. Außerdem, so Hinrichsen, gäbe es in Hamburg vielleicht gerade mal zwei Kühe, nämlich seine Frau und ihre Schwester, und überhaupt seien Kreuzfahrten viel zu teuer. Was ihm gleich noch einen Nasenstüber mit einer Hasenpfote brachte, von denen Morton Müller immer eine oder zwei anbei hatte, eine Hasenpfote gegen Angst, die andere fürs Glück, wie er sagte. Und weiter gings, näher ran an Pretty Belinda, diese brunhildenhafte Fensterputzmama, durch die Hafencity, vorbei an den frischen Gebäuden, die Hinrichsen als lackierte Malzbonbons bezeichnete, hin zur Elbphilharmonie, Kopf in den Nacken und hochgerufen zur schönen Belinda: Belinda, Belinda, wo sind deine Kinder? Na, wie auch immer, Pretty Belinda musste arbeiten, winkte kurz von oben herunter und putzte, was das Zeuch hielt. Mit was fürn Zeuch putzt die denn so, wie Hinrichsen, dieser Putzteufel, begierig zu erfahren wünschte. Und Morton Müller nickte, was er nur dann tat, wenn ihn etwas wirklich irritierte: Woher sollte er denn wissen mit was man zehntausend Fenster putzt? Mit zehntausend Putzlappen vielleicht? So war das gewesen mit Pretty Belinda, der traumhaften Fensterputzerin des Morton Müller.

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