Die Fahne.

Hallo. Ich möchte mich und mein Problem kurz vorstellen. Mein Name ist Günter, ich bin ein farbenblinder Fahnendesigner und bekam eines Tages den Auftrag, eine Fahne für den Kleingartenverein „Harmonie“ zu entwerfen. Mein erster Versuch zeigte einen grauen Hamster vor grauem Hintergrund, was wenig Anklang fand, da niemand den Hamster finden oder einen Zusammenhang mit dem Kleingartenverein herstellen konnte.
Als nächsten Vorschlag brachte ich ein verfremdetes Foto meiner Frau Gisela, die darauf wie Marylin Monroe aussah, ein wenig wie Elizabeth Taylor, aber hauptsächlich wie Mao Tse Tung. Meine Frau fand das „obszön“, ein Wort, das sie sonst nur  gebrauchte, wenn sie das Kind unserer Nachbarn beschrieb. Den Damen und Herren vom Kleingartenverein fehlte leider jegliches kulturhistorisches Verständnis, tatsächlich wollten sie mich vierteilen und kompostieren.
Heute weht über dem Verein eine grüne Fahne mit der üblichen Silhouette eines Gartenhäuschens. In dem Haus leben, selbstverständlich nicht sichtbar, ein grauer Hamster und das Kind unserer Nachbarn, aber das habe ich niemandem verraten. Oben auf dem Haus weht eine kleine Fahne mit dem unleserlichen Schriftzug:  Mao lebt! Nieder mit dem Establishment! Soweit ich weiß, ist „Harmonie“ der einzige Kleingarten westlich von China, der den großen Hamster Mao auf diese Weise ehrt.

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