Balzend.

Liebste E.,

neulich war ich, leider erfolglos, auf der Balz. Balz ist das, was man macht, wenn man was macht, um jemandem attraktiv zu erscheinen zwecks gemeinsamen Verbringens des Restlebens. Ich überzog meinen kahlen Kopf mit einer hippen Mütze, farblich abgestimmt auf meine Augenfarbe, die, wie du weißt, einem verregneten Vorfrühlingstagsgrau entspricht. Ich zog einen weiten Umhang über, einem südamerikanisch wild angehauchten Poncho ähnlich, ebenfalls in einem fröhlichen Andengrau, und verdeckte damit meinen birnenförmig angeheiterten Mittelkörperbau. Ich setzte mich in eine graue S-Bahn auf eine grau gepolsterte Bank, starrte auf den grauen Fussboden und in ein paar angegraute Gesichter. Dann balzte ich los, so laut ich konnte. Schnalzend, gurrend, kichernd, klickend, klackernd und tschilpend wurde ich am Hauptbahnhof von einer älteren Dame der Bahnhofsmission aus der S-Bahn geleitet. Sie erklärte mir, dass man heutzutage anders oder am Besten gar nicht mehr öffentlich balzt, sondern zu Hause auf dem Sofa sitzend Online Dates abcheckt. Soweit dazu.

Dein P.

Allegorie.

Hallo E.,

ich weiß nicht, ob du das schon wusstest, aber tatsächlich ist die Welt eine orangefarbene Keksdose, die in einer Schuhschachtel steckt, die ein Junge namens Ringo unterm Arm hält, während er vor einem Hund flüchtet, der versucht, ihn ins Bein zu beissen. Wenn man dieses Bild zu deuten weiß, nennt man es Allegorie, wenn nicht, ist es die blödsinnige Vorstellung der Welt in einer Kiste und man kann sowieso nichts daran ändern. Dann also lieber eine Allegorie.

Dein P.