Berührung.

Früher dachte ich, Berührung käme von berührt sein, zum Beispiel vom Anblick einer, äh, Maus oder so. Maus passt eigentlich nicht ganz, ich denke da eher an etwas pelzartig Handschmeichlerisches, den behaarten Körper einer handtellergroßen, in Taiwan oder Südkorea gefertigten Plastikriesenspinne mit Echtkurzhaarimitatborsten, was zum Anfassen eben, das, wenn man sich denn getraut, bei Berührung berührt, unangenehm, aber gefühlt einer wirklichen Spinne sehr ähnlich. Genau das kam mir in den Sinn, als eben diese eine bestimmte Spinne über meine Bettdecke juckelte und an die Panik gemahnte, die mich beim Anblick von Spinnen immer befällt, unabhängig von Größe, Entfernung oder Art der Spinnenrückenbehaarung. Ich geriet also kurz vor einer längeren Ohnmacht in jenen katatonischen Schockzustand der Stocksteife und glitt anschließend ohne Murren und Knurren hinüber in jenen Schlaf, den die Götter wohl für die Spinnenparanoiker erdacht haben: Unruhig, albtraumhaft und geifernd mit Händen und Füßen um sich schlagend. Ich erwachte aufgrund des anfangs erwähnten Berührtseins, nämlich dasjenigewelche eines Spinnenbeins auf meiner Nasenspitze, ein Kitzeln, der Drang zu kratzen, wo Glaube an Rettung von außen ins Leere ruft: Zu Hilfe, eine Spinne will mich fressen! Es folgte meinerseits das dem Kratzen sehr ähnliche Schlagen mit der offenen Handfläche auf Nase, die Spinne, ich vermute eine von der Art der kleinen springenden, tat das ihrige und jumpte ansatzlos von Nase auf Stirne, hastete quer über meinen kahlen Kopf nach hinten und verschwand, flugs und von mir nicht gesehen, im Nirwana der Kissenberge meines ach so wunderbaren Bettgewühls. Ich atmete durch, erholte mich schneller als erwartet und gesundete ohne bleibende Schäden von diesem aufregenden Abenteuer. Tatsächlich ist mir diese Spinne nie wieder begegnet, dem Gott des mangelnden Schlafes sei gedankt dafür.

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