Elfenvision.

Das leise Plöpp des entschwundenen Marsmannes hauchte noch nach, als ich am Fußende meines Bettes einer Imagination sondergleichen entgegensah: Drei Elfen traten liebreizend durch den Vorhang eines silbrig glänzenden Wasserfalls in mein Schlafzimmer. Professionell balancierte die eine der Elfen, eine kräftige mit Muskeln wie ein Gewichtheber, einen Elefanten auf dem Kopf. Der intonierte trötend Pomp and Circumstances von Elgar, während er aus einer Möhre ein bratschenähnliches Musikinstrument schnitzte. Die Möhrenbratsche sollte ein Geschenk für das Nilpferd werden, welches von der zweiten Elfe einarmig hochgestemmt und herumgewirbelt wurde. Seltsamerweise hockte im offenen Maul dieses wahrlich großen Nilpferds mein Zahnarzt Dr. Müller-Sonnenschein, der diesen für einen Zahnzieher recht fröhlich klingenden Doppelnamen seiner Frau Elsbeth verdankte, die eigentlich Schwarzbrot-Murmansk mit Nachnamen geheißen und eine Namensumbenennung erfolgreich vor Gericht erstritten hatte. Ihr Wunschname Sonnenschein und ihre Hochzeit mit meinem Dr. Müller brachte diesem mürrisch und depressiv Zähne ziehenden Misanthropen einen unerwarteten Zulauf an Patienten. Wer denkt schon bei einem Zahnarzt mit Sonnenschein im Namen an Karies oder einen Hang zu vorschnellem Zähneziehen? Wie er dahin gelangte oder was er da wollte, weiß ich nicht, trotzdem schabte der Dr. im Maul des wirbelnden Nilpferds in aller Seelenruhe an einem Eckzahn. Es sah aus wie der Vorhof zum Zahnärzteparadies. Im Hintergrund, kurz vor dem Gaumenzäpfchen in diesem supergroßen Schnappmichrachen jubilierte Elsbeth Müller-Sonnenschein Beethovens Ode an die Freude, während die dritte Elfe mittig vor meinem Bett stehend glockenhell die Zimbeln schlug. Es war, man muss es einfach so nennen, bombastisch. Und natürlich ein klein wenig übertrieben.

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