Lauter schöne Dinge.

Ich höre Alphörner, die eng aneinander gekuschelt die Ode an die Freude hupen. Ich lausche einem Schallmeyenchor, der verzückt die Hymne der Trabanten trödeliert: Walking on sunshine. Ich beobachte verliebte Humboldpinguine an der Alster sitzend nach einem großen Becher Schokoladeneis lechzen. Ich entdecke Möwen in Boxershorts mit Hahnentrittmuster und Tauben in Strickjäckchen mit goldmagentafarbenen Paillettenapplikationen. Ich schmecke die Luft, gefiltert von Bäumen, die seit hundert Jahren immer denselben Sonnenuntergang genießen. Ich trinke Wasser aus Eisbergen, die ihre Gletscher noch freiwillig verlassen haben. Meine Füße treten auf Sand, weicher als frische Marshmallows und softiger als Moos, das am Rande eines klaren Waldbaches in einer schattigen Kurve aufgewachsen ist, begleitet von den himmlisch flirrenden Flügelschlägen des blaubrüstigen Eisvogels. Ich habe volles, gesundes Haupthaar, um das mich jeder beneidet.

Günter?
Ja, Gisela? Kann ich etwas für dich tun?
Du hast kein volles Haupthaar, schon seit Jahren nicht.
Ach, echt?
Echt, ehrlich.

Gus Backus.

Hallo, ich bin der Gus Backus, „Da sprach der alte Häuptling der Indianer“, das singe ich morgens, mittags, nachmittags. Abends nicht. Abends bin ich Bill Ramsey, Chris Howland, Adamo, „Es gäht eine Drähne auf Reisen“, und Gitte, „Ich will nen Cowboy als Mann“. Tagsüber der Gus und abends dann die Wencke, die Myhre, „Er steht im Tor und ich dahinter“, die bin ich auch. Und die gefühlte Stimmenmehrheit aller Les Humpries Singers, der einzig echte Sing Sang Song-Singer von der ganzen weiten Welt, das auch, und die „Daschen voller Geld“ von der Gottseibeimir Karelheit, der güldenen Stimme von Prag, dieser ewig swingenden Biene Maja Titelmelodie, das auch. Mr. Spock hat mich gefragt, wie er mich spielen soll, der Hase Cäsar hat meine Ohren und das Tüüt im Fliewa von Robbi und Tobbi bin ich schon immer gewesen. Ich, der Roger im Quietsch, Piep, Over, das Bugs in Bunny und der Elefant der Maus.

Günter?
Ja, Gisela?
Alles in Ordnung bei dir?
Ja klar. Null Problemo. Das war ich übrigens auch.
Na, dann. Heute Abend gibts Kartoffeln mit Quark.
Toll.

Moin, Sohn.

Big Dodo hatte einen salbungsvollen Tag. Er blickte morgens salbungsvoll am Holstenplatz auf die zur Arbeit strömende Menge Fussvolks hinab, rüber zum Eingang des Musical Theaters, ob es dort etwas Erwähnenswertes zu entdecken gäbe. Dem war nicht so. Vormittags trotzte Big Dodo der Sonne einen finster zusammen gekniffenen Blick entgegen, bewegenden Hauptes das salbungsvolle Zeichen der Enthemmten in die Luft drapierend. Es passierte nichts Aufregenderes, als dass einer verwirrten Möwe der Schrei eines wütenden Löwen entfuhr. Mittags nickte Big Dodo den aufreizend gekleideten Schwestern Halliballi entgegen, salbungsvoll daran denkend, dass beide Schwestern nicht nur verheiratet waren, sondern auch unter dem Schutz von Hugo dem Schrecklichen standen, der tatsächlicher Weise Günni hieß, in den Siebzigern nach Hamburg gekommen war, um für den Weltfrieden zu beten, und die Schwestern Halliballi nur vom Sehen kannte.
Abends dann meinte Big Dodo zu Le Bart: Mein Sohn, man bringe mir ein Bier! Das sprach Big Dodo mit einer an Salbungsvollkommenheit kaum zu überbietenden Stimme, die eher an eine knarzende Kirchentür als an einen orakelnden Priester denken ließ, so das Le Bart ‚Moin, Sohn!‘ verstand, sich aber nicht weiter wunderte und, als stiller Teilhaber von Ausdruckskraft und salbungsvoller Hoheit, Big Dodo sein Bier reichte. Dieser segnete ihn mit dem Zeichen des Zorro und nickte wissend in das weite Rund des Holstenplatzes. Manche Tage sind eben so und manche Tage anders.