Rollkragenpullover.

Dufte, die bekannte schwarzbunte Kuh aus der Gegend um Niebüll, scheuerte gerne ihr Horn am Türrahmen bei uns im vierten Stock. Sie hörte in der Bibliothek Dylan-Bootlegs und trug zu ihrem Batmankostüm schwarze Rollkragenpullover. Gestern erklärte sie sich solidarisch mit-was-auch-immer und baute bei uns im Wohnzimmer eine Lehmhütte. Der Lehm kam von einem russischen Exilanten aus der Schanze, der sein Geld mit Aufräumarbeiten nach den vierteljährlichen Krawallen verdiente. Duftes Rollkragenpullover verbandelte sie ganz existentialistisch nicht nur mit dem alten Satre, sondern auch mit dem aktuellen Bond, diesem Rollkragenfetischisten, diesem philosophischen. Rollkragen ist nämlich In, Inner geht nicht. Noch Inner war nur unser abendliches Lagerfeuer vor der Lehmhütte im Wohnzimmer mit gegrillten Vegieburgern, und spontan entwickelten, völlig absurden Spukgeschichten. Zum Nachtisch erwartete Dufte gerne in „Fiji Natural Artesian Bottled Water“ gegarte Bioshrimps aus einer Naturwasseraufzucht nahe Brunei. Dazu hauchdünn geschnittene hawaiianische Zitronenscheibchen in einer Anmutung von Vinaigrette aus den Niederungen der französischen Alpen. Dufte war, man darf es so sagen, eine lebenslustige Luxuskuh. Und wenn ihr danach war, hauchte sie ein leises „Hach, Kuhsein ist wunderbar.“ Das fand ich dann auch.

Dufte schriftstellert.

Mittlerweile hatte Dufte fünfzig Kilo abgenommen, es verblieben die für eine Kuh recht ansehnlichen fünfhundertsechzig Kilo Restgewicht. Die Tage verbrachte Dufte deswegen meist im Bad. Sie hockte in ihrem Batman-Anzug in kaltem Wasser in der Badewanne und wartete auf den Jeanshosen-Effekt: Der Anzug sollte für Halloween wie angegossen sitzen. Außerdem hatte sie einmal das Frühstück ausgelassen.

Nebenbei bereitete Dufte eine schriftstellerische Laufbahn in der Art von Jonathan Franzen vor. Sie behauptete, Franzen hätte für sein erstes Buch zehn Jahre in einem kleinen fensterlosen Büro gehaust und von Freundesgaben gelebt. Auf klein und fensterlos könne sie ja verzichten, aber eine Unterstützung meinerseits wäre ein ‘must have’. Ich verwies sie als Alternative auf die künstlerische Laufbahn eines Vincent van Gogh, ausreichend Ohr wäre ja vorhanden. Das nahm sie mir irgendwie übel.

Heute haben Dufte und ich einen Termin bei der Agentur für Arbeit oben in der alten Grundschule am Kaltenkirchener Platz. Ich träumte noch von einem Ausbildungsberuf, vielleicht Landschaftsgärtnerin oder Fachkraft für Abwassertechnik, als Dufte schon den zuständigen Herrn Müller bestürmte, wie man möglichst schnell Topmodel oder ganz einfach reich und berühmt wird.

Morgen hat Dufte ein Vorsprechen bei einem privaten Fernsehsender für eine Daily Scripted Reality Doku Soap.

Dufte.

Die Kuh hieß Abraxas Madame von Hohenlohe-Duffenstein, genannt Dufte, und stand letzten Donnerstag im vierten Stock vor der Tür. Warum, erklärte mir dann der DHL-Mann: ‚Wir liefern alles, inklusive geerbte Tiere. Vermutlich ist eine Tante verstorben? Bitte hier quittieren.‘ Es dauerte zwei Tage bis ich Dufte nicht mehr als „die Kuh“ bezeichnete.

Eine Woche später machten Dufte und ich den ersten Ausflug in die Innenstadt. Ich brauchte Tee, Dufte bestand auf einen Abstecher zum Karstadt, sie suchte Stoff für ein Batman-Kostüm zu Halloween. Der Kauf scheiterte schon am Eingang da Dufte gerade verdaute und entsorgte. Wir wurden von einer freundlichen Stoffefachverkäuferin abgewiesen: ‚Oh, unser Häufchen machen wir heute lieber draußen, ok?‘

Gestern war ich mit Dufte im Schwimmbad, anschließend gab es vegane Döner in der Schanze und einen Besuch im Haus 73 mit zwei Stunden Improtheater. Taxi zurück nach Hause ging nicht, in den Bus passte Dufte weder vorne noch hinten, also eine Station S-Bahn von Sternschanze bis Holstenstraße.

Mittlerweile ist Dufte meine beste Freundin. Hatte ich schon erwähnt, dass ich kein Fleisch mehr esse?

Spatz.

Eines Tages im Abendrot beim Abendbrot verlangte Armin Anregung und artikulierte ahnungslos: Spatz! statt Schmatz! Armin, Schwarzbart und amateurhafter Angeber, aß spatzend schmatzend schlammartigen Schmand, schlabberte schalkhaft salzigen Schmalz, schlatzte spatzig einen Schmatz, schnappte schmatzend nach einer Spacke, spackte schlatzend eine Tasse Malz, schmatzte sparsam einen Schlatz und schnalzte einen langsamen Spackoletti. Er schnackelte einen Spagat und ratzte einer Schnake mit einer Schnalle den Schland. Zum Nachtisch schlackerte er eine Ralle, kalkte eine Spanne, kratzte am Lack, atmete am Arm und knackte eine Schlacke Apfelspalten. Er schlappte schamhaft Spagettihalme, spatelte am Amalgam, attackierte asthmatisch Amaranthschlanz und arrangierte rastlos rasend ramponierte Ranunkeln. Dann schrammte seinen hammerkahlen Spatenschädel schmatzend ein Spatz. Was für ein Satz!

Der Faden.

Ich trage also heute Abend Lieder aus Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band vor. Kein Problem. Ich deklamiere auch das Telefonbuch, wenn’s not tut, den Ikea Katalog, den Duden. Na gut, also die Beatles. Wie spricht man Sgt. aus? Und was soll das überhaupt heißen? Sgt. Pepper’s? Ist das die Frau aus Ironman? Gwyneth Pepper, oder wer? Die mit dem Robert Downey Jr., der auch den Sherlock im Kino macht, also nicht der Cumberbatch-BBC-Sherlock, sondern die Pepper vom Kinosherlock als Ironman? Die ist doch so dünn, meine Güte, warum sind die bloß alle so dünn im Kino? Orson Welles war schließlich auch nicht dünn. Wußten Sie, dass das Filmplakat zu Welles Film „Im Zeichen des Bösen“ (mit Charlton Heston), beim Dr. Wilson, dem Partner von Dr. House, im Büro hing? Und das Dr. Wilson einer der Schüler im Club der toten Dichter war, mit Robin Williams als Lehrer? Ach, das wußten Sie? Ich dachte von wegen Club und so, Sie wissen schon, Hearts Club Band. Gut, dann trage ich jetzt Hello Goodbye vor, das gar nicht auf Sgt. Pepper’s drauf ist: You say goodbye und I say hello. Hello, hello. I don’t know why you say goodbye, I say hello. Tschuldigung, hat jemand vielleicht eine Tröte dabei? Eine Zimbel? Irgendetwas, dass richtig viel Lärm macht? Ein Trampolin? Ein Ruderboot? Ich glaube, ich habe irgendwie den Faden verloren…