Dufte schriftstellert.

Mittlerweile hatte Dufte fünfzig Kilo abgenommen, es verblieben die für eine Kuh recht ansehnlichen fünfhundertsechzig Kilo Restgewicht. Die Tage verbrachte Dufte deswegen meist im Bad. Sie hockte in ihrem Batman-Anzug in kaltem Wasser in der Badewanne und wartete auf den Jeanshosen-Effekt: Der Anzug sollte für Halloween wie angegossen sitzen. Außerdem hatte sie einmal das Frühstück ausgelassen.

Nebenbei bereitete Dufte eine schriftstellerische Laufbahn in der Art von Jonathan Franzen vor. Sie behauptete, Franzen hätte für sein erstes Buch zehn Jahre in einem kleinen fensterlosen Büro gehaust und von Freundesgaben gelebt. Auf klein und fensterlos könne sie ja verzichten, aber eine Unterstützung meinerseits wäre ein ‘must have’. Ich verwies sie als Alternative auf die künstlerische Laufbahn eines Vincent van Gogh, ausreichend Ohr wäre ja vorhanden. Das nahm sie mir irgendwie übel.

Heute haben Dufte und ich einen Termin bei der Agentur für Arbeit oben in der alten Grundschule am Kaltenkirchener Platz. Ich träumte noch von einem Ausbildungsberuf, vielleicht Landschaftsgärtnerin oder Fachkraft für Abwassertechnik, als Dufte schon den zuständigen Herrn Müller bestürmte, wie man möglichst schnell Topmodel oder ganz einfach reich und berühmt wird.

Morgen hat Dufte ein Vorsprechen bei einem privaten Fernsehsender für eine Daily Scripted Reality Doku Soap.

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