Flughörnchenmann.

George übte. Er tänzelte auf dem Geländer des Balkons und visualisierte seinen geplanten Flug. Man sollte ihn fliegen sehen, den Flughörnchenmann, den Helden der Nachbarschaft, den Jäger der hopsenden Erdnuss. Das Heldenkostüm hatte den pelzigen Belag von Eichhörnchenflaum im frühen Herbst und die Farben des Indian Summer. George lippenmurmelte, so nannten Flughörnchenexperten das Zusammenpressen der Lippen mit gleichzeitigem Kraulen der Flughörnchenöhrchen. Unten im Hinterhof vermuteten sie eine Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation, was der Wahrheit recht nahe kam. George murmelte, kraulte und unter seinem Kostüm ran der Schweiß. Sein Problem war nicht der Flug oder die Landung, unten wartete sowieso das Sprungkissen der Feuerwehr. Nein, es ging um das Fluggeräusch. Was machte Flughörnchenmann, wenn er sich ansatzlos in die Tiefe stürzte? Jubilieren? Grunzen? Vielleicht sollte er ‚Timber!‘ rufen oder ‚Da bläst er!‘? Superman saust lufthauchmäßig unhörbar herbei, Batman ssssssttttet sich von oben nach unten in die Häuserschluchten, aber was macht Flughörnchenmann? Knurren?

George stürzte sich leise pupsend in die Tiefe. Dann landete er unverletzt und zufrieden im Luftkissen der Feuerwehr.

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