Im November

Mittags, als die Sonne der Kälte wegen knackte, während zu einer anderen Zeit ein Polarfuchs seiner geraden Spur über den verschneiten Platz gefolgt wäre, also mittags an diesem Tag im November trat Frompy, angetan im edlen Kettenhemd des kämpfenden Gottes aus alten Tagen, im kurzen Kriegsrock, Sandalen, den traditionellen Ritualspeer des Eroberers in der Linken, neben ihm Hotte und Pummel, Mops und Pudel, treue Begleiter seit jeher, hinter ihm Hippo, Gott der Angestellten und Knechte, mittags also stand Frompy vor dem Hamburger Rathaus und sprach die ersten Worte des Neuankommenden in diesem ihm fremden Land zu diesem ihm fremden Volk, Menschen, die er für nackte Eingeborene hielt (obwohl Jedermann und Jedefrau warme Kleidung trug), und sprach also wie dermaleinst Kolumbus bei jener Ankunft in der neuen Welt die Worte des ersten Inbesitznehmens: Mann, ist das arschkalt hier. (Das war nicht das, was er sagen wollte, entsprach jedoch seiner aktuellen Stimmung.)
Hippo, Gott der Diplomatie, zupfte an Frompys Kriegsrock: Du wolltest etwas über Inbesitznahme sagen, Begrüssung im Namen und Willkommen im Reich von König und Königin, undsoweiter undsofort.
Frompy, Gott des furchtbefreiten Auftretens, nahm sich ein Herz und brüllte dem erstbesten Hamburger ins Angesicht: Mein Herr, betrachten Sie sich als erobert und in Besitz genommen.
Zuerst mal heißt das bei uns Moin, sprach der Mann, ein Rechtsanwalt und bekannt mit Gott und der Welt in Hamburg und bewandert in den Gesetzen, die die Eroberung und Inbesitznahme Hamburgs vollkommen und komplett ausschließen, nickte kurz und ging seines Weges: Eroberungen Montags und Dienstags von zehn bis elf Uhr und nur nach vorheriger Anmeldung. Außerdem empfehle ich, am Eingang eine Nummer zu ziehen. Moin, moin.
Frompy, Gott der unterdrückten Wut, biss sich auf die Unterlippe, gnabbelte an seinen Fingernägeln und tat das, was Götter in solchen Situationen immer machen: Er zog eine Flunsch und gab Hippo die Schuld.

One comment on “Im November

  1. Falk Hüttner sagt:

    schön, dass du wieder schreibst, bruderherz!

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