Linda.

Oh, Linda, du, die so heißt wie eine Kartoffelsorte, die du dein glänzendes Haar auf jeder Seite hundert mal bürstest, du nachrichtensprechender Glückskeks, du Hals, du Schwan, du dünner.

Oh, Mona Linda, dein Lächeln beim ‚Gudnahmd‘, dein Spitzmund bei Holundermonopol und Ohrmondrotlose, deine kräuselnde Oberlippe kurz vor dem Wetter. Oh Linda, du kuhäugige Sondernachricht.

Oh, Linda, tu mal lispeln für mich. Mach mal einen Slick in die Zunge, zeig mal einen Silberblick. Sei einfach mal wie eine Kartoffel, sei bitte nicht so ganz perfekt. Oder bleib so wie du bist.

Brot von oben.

Der kleine Mann hatte einen neuen Job als Bäckereifachverkäufer beim Supermarkt am Eingang. Die erste Aufgabe war einfach: Immer freundlich sein. Dann folgte Brot verkaufen, Brötchen, Schnittchen, Kuchen und Rumkugeln. 

Der kleine Mann arbeitete vorne mit einem Tritt, nach hinten mit einer Leiter. Vorne langte es gerade für einen Blick über den Tresen hinüber zum Kunden, nach hinten war selbst mit Leiter das Brot von oben auf dem Brotregal eine Herausforderung. Nicht nur, dass der kleine Mann den ganzen Tag Tritt rauf, Tritt runter, Leiter rauf, Leiter runter klettern musste, nein, die Kunden bemerkten das und amüsierten sich. 

Eines Tages kam jemand auf die Idee, nur noch Brot von oben zu bestellen und die Ausführung der Bestellung mit einem breiten Grinsen zu begleiten. Der kleine Mann vermutete dahinter eine böswillige Absicht, er wütete, grimmte, schäumte wie ein Rumpelstilzchen und beschimpfte den Gott der Regalbauer als humorlosen Nichtsnutz. Aber immer mehr Kunden bestellten Brot von oben und freuten sich wie Bolle, wenn der kleine Mann seine Leiter hinauf kraxelte und mit einem Stock durch die Regalbretter hindurch das Brot an den Rand stocherte und mit Geschick in einer Tüte auffing. 

Irgendwann bildeten sich Schlangen vor dem Bäckertresen, alle wollten Spass, Brot von oben und den kleinen Künstler bei der Arbeit sehen. Der Bäcker ging dazu über, nur noch Oben-Brot anzubieten und war kurz davor, einen weiteren Regalboden aufzustocken, da kippelte eines Tages der kleine Mann, im Moment der größten Unlust und Frustration, auf seiner Leiter raus aus dem Supermarkt und ward nie wieder gesehen. Er aß dann zwei Monate lang nur Nudeln mit Ketchup.

Der kleine Mann.

Der kleine Mann hatte sich etwas ausgedacht und das ging so. Wenn er sich vier Joghurts kaufte, auslöffelte, auswusch und die Plastikbecher unter seine guten Schuhe schnallte, wäre er um bestimmt fünf Zentimeter größer. Gesagt getan, an einem heißen Sommerwochenende wurden die Joghurts gekauft, gegessen und die leeren Becher mit Gummiringen unter die Füße geschnallt. Beim ersten Gang hinaus auf den heißen Teer schmolzen die Becher dahin und der kleine Mann war wieder so klein wie allzumaldereinst vor seiner Idee. Irgendwann ging dem kleinen Mann der Gedanke durch den Kopf, dass er nicht nur klein, sondern auch blöd war. Kein Mensch läuft auf Kirschjoghurtbechern wie auf Stelzen durch die Gegend und wird ernst genommen. Das geht nur mit Erdbeerjoghurt.

Samba.

Ich habe mir Samba beigebracht, allein, in eine Holzhütte am Strand, ohne Musik, aus einem Buch ohne Bilder. Das war anstrengend, schmerzhaft und ich bin mir nicht sicher, ob das, was ich da mache, tatsächlich Tanzen ist. Vielleicht tanze ich gar nicht, sondern Summse oder Swompe.

Nach drei Tagen habe ich mich für Swompen entschieden. Ich swompe nicht nur, ich bin der Erfinder des Swompens. Swompen hat etwas mit Schüttelfrost zu tun und Wackelpudding. Ich hinke danach.

Endlich verdiene ich auch wieder Geld. Ich animiere das Publikum als verkleidete Riesenrübe und gebe Kurse „Swompen für alle“ und „Swompen ohne Reue“. Swompen ist besser als Kohldiät. Meistens muss ich mich vor und nach den Auftritten übergeben. Ich habe sehr abgenommen.

Ab sofort geht nur noch Summsen, wegen der Kniegelenke, Hüften, Rücken oben und unten eine ganz einfache Entscheidung. Summsen ist gut gegen Mückenstiche.

Balance.

Ich versuche, meinen Ellbogen so nach oben zu drücken, dass ich ihn, wenn ich müsste, küssen könnte, während meine Hand einen meiner Füße langsam von hinten über den Rücken hoch zum Kopf zieht. Ich wippe locker mit meinem Standbein auf und ab, das Kniegelenk dabei leicht rheumatisch angewinkelt durchgestreckt. Mein Blick geht versuchsweise arrogant ins Nirgendwo, während ich auf einem Brett stehe, welches auf dem Kopf eines Elefanten von einem Nasenbär so ausbalanciert wird, dass auf der gegenüberliegenden Seite eine Familie Erdmännchen eine Gruppe Synchronschwimmerinnen in Badeanzug und Flitterflatter imitieren kann. Es ist schwer vorstellbar, aber unter dem Elefanten fährt unser Biogemüselieferant auf seiner Mofa eine Steigung freihändig herauf, die andere nicht mal rückwärts sitzend geschoben in einer Schubkarre geschafft hätten. Mit dem linken Vorderfuß dribbelt er eine Kiste Karotten den Berg hoch, rechter Hand schwenkt er die Fahne eines drittklassigen indischen Cricketclubs, hinten spielt er mit einem der Elefantenfüße Doktor Bibber. Ein Bein des Elefanten verleiht durch seine kreisenden Bewegungen einem regenbogenfarbenen Hulahoopreifen Schwung und damit diesem undurchsichtigen Ganzen eine Anmutung vom Glanz einer untergegangenen Epoche der Wunder und Übertreibungen. Vorne am Elefanten hängt übrigens diese Frau von Pink Nails, feilt ihm die Zehennägel und verziert sie mit bunten Strasssteinen. Neben ihr schwingt ihr Mann den Rest der Familie in einem überdimensionierten Kleiderbügel sitzend vor und zurück. Der Mann hält eine Papiertüte, die den Esel, der sich an den linken Elfenbeinzahn des Elefanten klammert, am hyperventilieren hindern soll. Während ich mich an den Gedanken gewöhne, Teil einer außerordentlichen Performance zu sein, verirre ich mich langsam in dieser Ansammlung von Unmöglichkeiten. Ein zufällig vorbeieilender Schamottesammler, was auch immer das sein mag, ein Schamottesammler, deutet mit einem Kopschütteln an, dass ich insgesamt den Eindruck erwecke, als hätte ich mein Leben nicht im Griff. Ich nicke und stimme ihm von Herzen zu. Einer dieser seltsamen Filme fällt mir ein, vielleicht von Jaques Tati oder Frederico Fellini.