Balance.

Ich versuche, meinen Ellbogen so nach oben zu drücken, dass ich ihn, wenn ich müsste, küssen könnte, während meine Hand einen meiner Füße langsam von hinten über den Rücken hoch zum Kopf zieht. Ich wippe locker mit meinem Standbein auf und ab, das Kniegelenk dabei leicht rheumatisch angewinkelt durchgestreckt. Mein Blick geht versuchsweise arrogant ins Nirgendwo, während ich auf einem Brett stehe, welches auf dem Kopf eines Elefanten von einem Nasenbär so ausbalanciert wird, dass auf der gegenüberliegenden Seite eine Familie Erdmännchen eine Gruppe Synchronschwimmerinnen in Badeanzug und Flitterflatter imitieren kann. Es ist schwer vorstellbar, aber unter dem Elefanten fährt unser Biogemüselieferant auf seiner Mofa eine Steigung freihändig herauf, die andere nicht mal rückwärts sitzend geschoben in einer Schubkarre geschafft hätten. Mit dem linken Vorderfuß dribbelt er eine Kiste Karotten den Berg hoch, rechter Hand schwenkt er die Fahne eines drittklassigen indischen Cricketclubs, hinten spielt er mit einem der Elefantenfüße Doktor Bibber. Ein Bein des Elefanten verleiht durch seine kreisenden Bewegungen einem regenbogenfarbenen Hulahoopreifen Schwung und damit diesem undurchsichtigen Ganzen eine Anmutung vom Glanz einer untergegangenen Epoche der Wunder und Übertreibungen. Vorne am Elefanten hängt übrigens diese Frau von Pink Nails, feilt ihm die Zehennägel und verziert sie mit bunten Strasssteinen. Neben ihr schwingt ihr Mann den Rest der Familie in einem überdimensionierten Kleiderbügel sitzend vor und zurück. Der Mann hält eine Papiertüte, die den Esel, der sich an den linken Elfenbeinzahn des Elefanten klammert, am hyperventilieren hindern soll. Während ich mich an den Gedanken gewöhne, Teil einer außerordentlichen Performance zu sein, verirre ich mich langsam in dieser Ansammlung von Unmöglichkeiten. Ein zufällig vorbeieilender Schamottesammler, was auch immer das sein mag, ein Schamottesammler, deutet mit einem Kopschütteln an, dass ich insgesamt den Eindruck erwecke, als hätte ich mein Leben nicht im Griff. Ich nicke und stimme ihm von Herzen zu. Einer dieser seltsamen Filme fällt mir ein, vielleicht von Jaques Tati oder Frederico Fellini.

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