Kategorie-Archiv: Blödsinn

Betriebsunfall.

Ich saß also vor dem leeren Bildschirm, bereit den Roman meines Lebens zu schreiben, mein Geist war frei, die Gedanken offen (oder umgekehrtestens), da klemmte sich mein rechter Zeigefinger zwischen P und Ü meiner bis dahin wunderbar funktionierenden Tastatur. Ich produziert PÜPÜs in Menge und dachte bei mir: Na gut, wird das eben ein Roman über das berühmte PÜ im Manne oder den KartoffelPÜ oder den schiefen Turm vom PÜ oder, aber soweit kam ich dann gar nicht mehr, weil sich die Dose mit dem Sekundenkleber selbstständig machte und über die Tastatur entleerte. Fragen Sie jemand anderen (nicht mich), wieso da eine offene Dose mit Sekundenkleber herumstand, das war so und manchmal muss man Dinge einfach hinnehmen. Das tat ich dann auch und wischte angewidert mit dem linken Daumen über das W, das selbstverständlich haften blieb. Ich flötetete nervösestens in mich hinein, fasste mit Daumen an Unterlippe und gnapse seitdem an dem nun nicht mehr am Daumen hängenden W herum (das W innen an der Unterlippe klebt und klebt und klebt). Linkerseits beschäftigte ich mich mit dem langen Leertastenbalken, den ich mir, irgendwie, ich weiß nicht  wie, an die Stirn heftete. Erregt sprangte ich aufsens und klatschtete mir den Rest der Tastatustus vor den Bauchsein. An den Fingern der rechten Hand hingen jetzt PÜÖÄ und das Zeichen #, links war ich bei AXSENBRUCH angekommen. Ich fiel in Ohnmacht ob meiner schlechten Rechtschreibung und den Unbilden des Lebens (und der Kommataste unten am Kinne). Velflucht sei dies Tastatul und dies velflixte W im Maul.
Später tapperte ich vier Stockwerke weiter unten mit wirrem Blick herum, sprach fremde Leute an und forderte sie auf, mit mir “I believe I can fly” zu singen. Da wurde ich dann verhaftet.

 

16 Momente der Schwerelosigkeit.

An einem dieser unsinnigen Montagmorgen bin ich enttäuscht und schwerelos von der Badezimmerwaage gefallen. Ich war schwerelos, als ich feststellte, dass ich nicht Superman bin (und auch nicht Catwoman). Und als ich feststellte, dass ich eigentlich vom Mars komme und dort als Fructoman die Gesellschaft vor Eintagsfliegen beschütze, war ich auch schwerelos. Als ich Roger war, der Mann ohne Gelenke, und mich im Kleinkunstverein Buxtehude durch einen Tennisschläger quetschte, war ich schwerelos. Als ich mich schwarz anmalte weil Obama Präsident geworden war, da auch. Als ich es einmal geschafft hatte in der S-Bahn von der Sternschanze bis zum Dammtor durchgehend geräuschlos zu pupsen, da war ich schwerelos. Als ich behauptete, ich sei eine Miesmuschel und alle unbedingt mein Mies sehen wollten. Als ich einer Gruppe nach Karottenpüree riechender Kikakinder erklärte, was die Welt wirklich über Karottenpüree denkt. Als ich eines Morgens als rotgesichtiger Hulk aufwachte und der Arzt meinte, das sei keine Grippe. Als ich ihm die Meinung sagte. Als ich mich in einer meditativen Phase in die Denkstrukturen eines trockenen Stücks Brot versetzte und da nicht wieder herausfand. Als ich feststellte, dass alle lügen. Als ich feststellte, dass ich wie die anderen bin. Als die anderen das auch feststellten. Als die Welt so war wie sie ist. Da war ich schwerelos.

Und als Neil Armstrong als erster Mensch den Mond behüpfte, da hüpfte ich mit ihm.

Grützwürst!

Anbei einige sinnentleerte Äußerungen über Grützwürste und ihr Dasein.

Der Angriff der Grützwürst unterblieb zunächst wegen des fehlenden e’s am Ende. Mit einer Grützwürst kommt man eben nicht weit.

Grützwürste denken gründsetzlich negativ: Nichts klappt und nichts wird wirklich gut. Immer ist irgendwas. Wenn’s vorne gut ist, ist hinten was, und wenn’s unten gut ist, ist oben was. Und wenn gar nichts ist, hat ein anderer was.

Grützwürst entkam durch eine durch eine Plasmaentladung hervorgerufene Subraumspalte. Plasmaentladungen sind so etwas wie Weltraumfahrzeugfürze. Subraumspalten sind der Weg da durch.

Über den Niedergang der Kultur der mimiklosen Kommunikation: Telefoniert die eine Grützwürst mit der anderen Grützwürst, zeigt sie nicht die geringste Regung. Durchs Telefon kann man nicht mal das Zittern eines Grützwürstzipfels sehen, man kann es nur beschreiben: Oha! Ich glaube mein Grützwürstzipfel hat gerade gezüttert!

Sagt die eine deprimierte Grützwürst zur anderen: Ich weiß es, morgen werde ich gegessen. Antwortet die andere: Dito.

Nieder mit den Wiener Würstchen! Es lebe die Grützwürst!

Life on Mars.

Seit ich mit offenen Augen durchs Leben gehe, sehe ich Dinge, die andere nie sehen würden, zum Beispiel habe ich gestern bei einem Blick durch mein Teleskop Leben auf dem Mars entdeckt. Zuerst war es nur ein Lichtreflex, vielleicht eine Irritation der Augen, dachte ich, eine Täuschung, auf dem Mars gibt es kein Leben, nie und nimmer. Aber, ich muss es so sagen, es war etwas zu sehen, ganz deutlich. Gut, werden Sie jetzt sagen, er spinnt. Von mir aus, erwidere ich ganz sachlich, auf der sachlich-zwischenmenschlichen Ebene sozusagen, aber, und ich zeige es Ihnen gerne, das ist eindeutig etwas Lebendiges. Gut, werden Sie jetzt ergänzen, er hat einen Hackenschuss, hatte er ja schon immer. Nein, lehne ich entschieden ab, das, was Sie da sehen, ist ein Wesen, jawohl, ein Wesen, das aussieht wie, na, sagen wir mal, eine Maus, die auf einer Ecke Camembert durch die Wüste reitet, äh, ja genau, Maus mit Camembert. Wie groß die Maus ist? Na, ich würde sagen, sie ist ungefähr so groß wie eine normal gewachsene Marsmaus, oder? Wohin sie reitet, wollen Sie wissen? Ganz klar erkennbar, finde ich, in die Hauptstadt der Marsmäuse nach Marsmaushausen, wie man auf dem Ortsschild deutlich lesen kann. Ach, warum ich plötzlich marisanisch lesen kann? Wenn schon: Mausmarsianisch, bitte, schließlich wohnen da noch andere. Und wenn Sie’s wissen wollen: Ich sag jetzt gar nichts mehr. Ich flieg da jetzt hin. Mit Käse. Und wenn Sie in einer Woche oder so bitte durch mein Teleskop gucken wollen, dann winke ich Ihnen von da oben zu, zusammen mit einer Marsmaus. Oder so.

Hallo-Apparat

Wie soll es einem schon gehen, der nachts aus dem Schlaf aufschreckt und meint, er sei aus einem schlechten Traum aufgewacht, nur um festzustellen, dass er gar nicht aufgewacht ist. Schlechtes Gewissen ist das nicht, Angst vielleicht, im Grunde läuft es auf den Hallo-Apparat hinaus. Der sieht aus wie diese chinesische Winkekatze, dieses Katzending mit dem erhobenen Arm, der vor und zurück wippt. Dazu kommt beim Hallo-Apparat sein Text: Hallo Hallo Hallo. Wie geht’s uns denn heute? Schön dass du da bist. Seit ich diesen Apparat besitze, fühle ich mich besser, nicht mehr einsam, eher beunruhigt. Darf und kann es sein, dass die Mensch-Maschine-Kommunikation mehr ist, als das Tippen auf einer Tastatur? Wenn ich meinem Handy befehle: George anrufen! Dann fragt dieses dummdreiste Gerät zurück: George Clooney anrufen? Bist du verrückt? Der geht doch sowieso nicht ans Telefon. Und da lobe ich mir meinen katzenartigen Hallo-Apparat. Der steht neben meinem Bett, wippt die ganze Nacht mit dem Arm, und wenn ich aus einem schlechten Traum aufwache, blitzt er mich an und flötet: Hallo Hallo Hallo. Dies ist kein Traum. Gut siehst du aus. Schön dass du da bist.
Heute morgen bin ich einen Schritt weiter gegangen. Nach dem üblichen: Hallo Hallo Hallo. Die Welt ist toll. Alle lieben dich. Habe ich geantwortet: Nö, das stimmt so nicht. Antwortet diese winkende Katze: Stimmt doch. Ich: Stimmt nicht. Doch. Nee. Ja doch. Nein doch. Ach leck mich.

Jetzt muss ich aber los. Der Hallo-Apparat geht noch heute zurück, ich lass mich doch nicht anmachen von einer künstlichen Katze. Vielleicht gibt es ja etwas anderes für missmutige Katzenapparateverachter oder schlechte Träumer, vielleicht der Tschüs-Sager oder Goodbye-Sänger oder…

Ok. Heiho.

Ich bin ja seit neuestem auch Übersetzer für englisch-deutsche Kurzwörter, darüber hatte ich schon berichtet. Hatte ich nicht? Na, gut, dann wissen Sie es jetzt, mein Gott.
Unter anderem habe ich mich neulich mit dem Wort “Ok” beschäftigt. Ok wird ja im Sinne von “in Ordnung” verwendet, es gibt, soweit ich das feststellen konnte, bisher kein kurzes deutsches Äquivalent zu Ok. Äquivalent? Was das heißt? Ja, da durfte ich auch erst mal nachforschen. Ob ich weiß, was ich tue? Selbstverständlich. Ich suche mir ein kurzes englisches Wort wie Ok, suche dann nach einem deutschen Fremdwort, das erklärt, was ich suche, und dann finde ich “in Ordnung”. Ok?
Ich stieß also auf “in Ordnung”, was, wenn man es abkürzte, ja “iO” lauten würde. Wenn man “iO” jetzt wieder ins Englische zurücktransferiert, spricht es sich aus wie “ei-Oh”, was sich ja ungefähr so anhört wie “Heiho”, was, wie wir ja alle wissen, der Schlachtruf der Zwerge ist. Können Sie mir da noch folgen? Sie können?
Ich habe also als Äquivalent zum englisch-amerikanischen “Ok” das urdeutsche “Heiho” gefunden. Im Unterschied jedoch zum “Ok”, bei dem man zustimmend nickt, wenn man zustimmt, also den Kopf vor- und zurückbewegt, verwendet man beim “Heiho” bekanntlich das seitliche Hin- und Herschwenken des ganzen Oberkörpers, nach links beim “Hei”, nach rechts beim “Ho”, wobei der rote Bommel der grünen Zwergenzipfelmütze lustig mitschlenkert. Soweit verstanden? Ok.
Dann stellen Sie sich bitte die Situation vor, wie ich morgens beim Bäcker stehe, Zwergenzipfelmütze auf dem Kopf, und, als ich drankomme und die freundliche Bedienung mir die Brötchentüte zurückgibt und mich fragt, ob denn alles in Ordnung sei mit mir, und ob es sonst noch etwas sein dürfe, wie ich dann den Oberkörper wild hin und herschwenke, den Zwergenmützenbommel kreisen lasse und dabei laut “Heiho” brülle und anschließend: Butter! Ich brauche noch Butter!
Sind Sie noch bei mir? Ja, äh, wo sind Sie denn? Ich bin doch noch gar nicht fertig.