Eines Tages stand der große Gandhi auf dem Altonaer Balkon und besah sich den Hamburger Hafen. Dabei kamen ihm einige Gedanken, unter anderem der, was er den Leuten sagen sollte, die seinen Namen falsch schrieben, zum Beispiel denen, die ihm doch glatt zwei h verpassten (nämlich: Ghandhi oder Gahndhi).
Günter?
Ja, Gisela?
Ach, nichts. Ich hatte nur gedacht, dass Gandhi ja eher klein gewesen ist. Aber rede ruhig weiter.
Gandhi fragte den neben ihm stehenden jungen Mann, was er von den zwei h in seinem Namen hielt und warum der Altonaer Balkon eigentlich so heißt, wie er heißt. Der junge Mann, ein plietscher Hamburger, wie man so sagt, klärte Gandhi auf, das er selbst Fred genannt wurde und keinesfalls zwei h im Namen habe. Und den Altonaer Balkon nenne man so wegen, äh, weil das so ist.
Günter, warum heißt der denn so?
Wer jetzt, Gandhi oder der Balkon?
Und was sagt Gandhi nun zu den Leuten mit den zwei h?
Nachdem Gandhi sich eine ganze Weile den Hafen und die Schiffe und so weiter angesehen hatte, meinte er zu Fred, der immer noch neben ihm stand: Ich finde, man sollte sich bescheiden und mit einem h im Namen zufrieden geben. Fred nickte : Find ich auch.
Günter?
Ja, Gisela? Das hast du dir doch jetzt ausgedacht, oder?
Selbstverständlich Gisela, mein Schatz.
Du guckst aber so komisch.
Ich guck nicht, ich bin auf dem Weg zum Altonaer Balkon. Vielleicht ist er ja noch da.
Wer jetzt?
Na, Gandhi.
Ach der.
Kategorie-Archiv: Günter & Gisela
Ganickel.
Wie schreibt man noch schnell Kaninchen? Gisela? Na, Kaninchen werde ich wohl noch können, sind ja nur einfache Buchstaben. Man schreibt das so oder so ähnlich, wie man das spricht. Oder wie man etwas Ähnliches spricht, von dem man weiß, wie man es schreibt, zum Beispiel Kanu, das schreibt man Kanu, ohne h, selbst wenn man drin sitzt, hihi. Also könnte man statt Kaninchen im übertragenen rechtschreibspezfischen Sinn Kanunchen schreiben. Oder wie sagt der Dresdner: Gar nunchen? Haben Sie geine Ganienchen im Angebod? Aber warum sollte jemand Kaninchen mit u schreiben, wenn man das gar nicht so spricht? Und heißt das eigentlich Ganienchen oder Ganinchin? Das hört sich an wie Hustensaft, Ganinchin gegen Gusten.
Ich gehe da am Besten rein logisch vor, sonst führt das ja zu nichts. Eine Eselsbrücke, wie man so sinnig sagt: Kaninchen haben zwei Ohren, die heißen Löffel, beim Wildschwein nennt man die Hauer, beim Hammel, äh, ist auch egal jetzt, natürlich sind die nicht so lang wie beim Hasen, aber immerhin zwei. Also, zwei Ohren, dann schreibt man zwei n, ganz einfach zu merken: Für Kaninchen zwei n, aber nicht für Hasen, oder doch für hoppelnde Hasen. Oder war das Kaninchen jetzt das mit den längeren Ohren? Wie auch immer, zwei Ohren, zwei n, ein Kaninchen. Ganz einfach. Und wenn das jetzt jeweils zwei n waren? Zwei vor und zwei nach dem i? Kanninnchen? Wie Kanne? Ein Kännchen Kanninnchen? Nee, draußen nur Kännchen, wie das so nett im Restaurant heißt, und Kanninnchen schon mal gar nicht.
Kanienchen ginge natürlich auch noch, und Kahninchn sowieso. Meine Güte. Vielleicht drei n? Kaninchen mit 2 Ohren und 1 Schwänzchen sind 3 irgendwas. Also Kaninnchen oder Kanninchen? Vielleicht auch ganz ohne n: Kaichen. Ein kleiner Kai wurde uns geschenkt, ein Kaichen. Gisela? Sag doch mal was. Oder, lass mal, ich nehme Karnickel, das geht doch bestimmt auch, oder? Ganickel. Weihnachten gibt’s Ganickel ohne alles.
Tarzan forever.
Seit ich im letzten Jahrhundert die Tarzanfilme gedreht habe, ja, ich war der Hauptdarsteller, ja, ich sah damals so aus wie Lex Barker und sehe heute immer noch so aus, nein ich bin nicht gealtert, nein, ich schreie jetzt nicht den Tarzanschrei, nein, Sie können jetzt nicht mit diesem Affen sprechen, ich möchte darüber auch nicht reden, was mit dem Affen ist, nein er fehlt mir nicht, so, das haben wir geklärt, was ich eigentlich sagen wollte, nein, als ich Winnetou I bis III gedreht hatte, ging es mir nicht besser als mit den Tarzanfilmen, auch nicht, weil ich da angezogen herumlaufen durfte, nein, ich hatte als Tarzan nichts unten drunter, da war ich nackicht, ja, die haben dafür gesorgt, dass man das in den Filmen nicht gesehen hat. Sonst noch Fragen? Gut dann komme ich jetzt endlich zu der Geschichte mit mir als Tarzan und dem Geheimnis meiner ewigen Jugend. Ob ich Spaß daran habe, immer noch so auszusehen und ob ich jetzt unten rum was anhabe? Selbstverständlich, gute Frau, im Winter trage ich immer meine lange Elli. Aus Angora natürlich. Grau meliert mit einem Anteil von Lila. Changierend. Das sieht aus wie ein Mädchen? Das finde ich jetzt aber gar nicht. Ich sehe aus wie Batman mit oben ohne? Na, immerhin vergleichen Sie mich nicht mit Robin Hood. Was haben Sie denn unten rum so an, wenn wir schon dabei sind. Ach, auch die lange Elli? In rot? Sehen Sie, wir liegen da gar nicht so weit auseinander. Was machen Sie denn heute Abend so? Ich müsste hier noch ein oder zwei Autogramme geben, aber dann stünde ich zu Ihrer Verfügung. Oh, verstehe, ihr Mann. Aber ich Tarzan, du Jane?
Günter? Ist irgendwas mit dir?
Ach nein, Gisela. Ich mach mir nur so meine Gedanken. Sag mal, haben wir eigentlich schon die langen Unterhosen ausgepackt?
Seit wann interessierst du dich für wann ich was ausgepackt habe?
Ich meine ja nur, das ist so kalt draußen.
Für alle Fertigen da draußen.
Wenn ich mal richtig fertig bin, gedanklich am Ende angekommen, unten am Boden liege und alle auf mir rumtrampeln, wenn die Leute durch mich durchsehen wie durch eine Glasscheibe (mit einem aufgeklebten Vogel drauf, aber irgendwie so aufgeklebt, dass man ihn nicht sehen kann und die Leute trotzdem durch mich durch gucken), wenn ignorant unverblümt abweisend ausweichend und sonst wie über mich hinweg gesehen und wenn sich ohne mich über mich lustig gemacht wird, wenn, weil alles so schlimm ist, die Leute mitleidig gucken, so von oben, so: Achje, ach Herjemine, wenn die Luft zum Atmen nicht reicht und schon beim bloßen Hinsehen heiß und stinkig wirkt, wenn kein Land in Sicht ist, das Trinkwasser zur Neige geht und aussieht, als sei es schon mal getrunken worden, wenn der Durst nach Freuen und Fressen mich plagt und die Tage lang und gebraucht sind, wenn der Morgen ein Graus ist und der Abend wie der von gestern und der davor und morgen auch, wenn der Hunger größer ist als der Neid, wenn meine Blicke scheel und blind und schielend werden und nichts zu sehen ist als nichtsiges Nichts und keiniges Garnichts, wenn Dunkelheit da ist und Angst, und wenn hosenscheißermäßige Panik mich überfällt, weil Monatsende ist oder Jahresende oder Geburtstag oder Weihnachten und kein Geld da ist für irgendwas, wenn die Wohnung weg ist und das Auto und der Sinn vom Ganzen auch und sowieso und überhaupt alles irgendwie so voller Unmöglichkeit und Scheiße ist wie niemals zuvor im Leben, dann, ja dann denke ich an John Wayne. Ehrlich. Dann geht’s mir gleich wieder viel besser.
Ach.
Ja, Gisela.
Geht da auch George Clooney?
Ja, der natürlich auch.
Und Robert Redford?
Auch.
Also irgendwie geht da jeder und jede? Auch Angelina Jolie?
Da geht alles, meine Güte. John Wayne ist nur ein Beispiel, jeder hat doch seinen eigenen John Wayne. Du must da auch mal ein bisschen über deinen Schatten springen, Gisela. Ein bisschen Einfühlungsvermögen, ein bisschen Verständnis.
Ach so.
Sag ich doch.
Na, dann nehme ich Barack Obama.
Sehr gute Wahl, Gisela.
Häuptling Günter.
Seit ich mich zum Häuptling ernannt habe, sitze ich die meiste Zeit so rum, hauptsächlich im Wohnzimmer auf dem Fernsehsessel. Wenn nichts weiter los ist, brülle ich zwei-, dreimal sehr laut: Hurrarr! und klatsche in die Hände, woraufhin meine Frau selbstverständlich nicht erscheint. Wenn ich ehrlich bin, würde ich auf Hurrarr! auch nicht erscheinen. Was soll dieses Hurrarr! überhaupt bedeuten?
Das frage ich dich, Günter.
Nach dem Hurrarr! scharre ich etwas verlegen mit den Füßchen, die in Mokassinchen stecken, im Sand. Den Sand habe ich extra aus Warnemünde mitgebracht und vor dem Fernsehsessel verteilt. Nur zum Scharren.
Toll, Günter. Der bleibt da nur so lange, bis ich gestaubsaugt habe.
Hatte ich schon erwähnt, dass es das Vorrecht jeden Häuptlings ist, sehr sehr viel Sand aus Warnemünde mitzubringen? Sehr, sehr, sehr viel Sand, Gisela.
Hast du.
Na denn. Ab und zu gehe ich nach hinten in den Garten und hole mir aus dem Stall eine Hühnerhabichtfeder.
Wir haben keinen Stall, Günter, keine Hühner und auch keinen Hühnerhabicht. Wie kommst du nur auf so was?
Das war bildlich gemeint, meine Güte. Die Feder stecke ich mir ins wallende Haar, wobei meine Kette aus Bärenklauen, die über meiner behaarten Brust hängt, leise klappert.
Dein wallendes Haar?
Ja, Gisela?
Wo ist das denn jetzt gerade?
Menno.
Fernsehgespräche.
Günter mach das weg da. Ich kann das jetzt nicht sehen.
Das ist aber deine Lieblingsserie.
Aber sie hat gesagt: Du hast ihn umgebracht!
Na, dann ist er der Umbringer, das macht doch nichts.
Günter? Was gibt’s heute?
Deine Lieblingsserie oder, äh, Olympia.
Ich bin dann mal telefonieren.
Ja, kein Problem. Ich bin dann hier.
Auf dem Sofa?
Gisela?
Ja, Günter?
Der Walter wird ja jetzt bald fünfzig.
Ja, Günter?
Dann hat er, wenn man ihn nach Joopi Heesters berechnet, noch mehr als die Hälfte vor sich.
Ja, Günter.
Boah, wie langweilig.
Grabsteininschrift.
Ich hätte gerne, wenn es denn mal soweit sein sollte, folgende Inschrift auf meinem Grabstein: Günter war ein Freund aller Tiere außer Spinnen und diesen Dingern mit dem Panzer, äh…
Kaulquappen?
Nein, diese mit diesem geringelten Panzer.
Lurche? Molche? Fliegenschnäpper?
Lurche auch nicht, obwohl, ich bin ja auch kein Freund von Lurchen. Und von Molchen sowieso nicht.
Das kann ja noch kommen, Günter. Du bist ja noch jung.
Gisela! Ich würde mich nie im Leben mit einem Molch anfreunden, also will ich auch keinen auf meinem Grabstein haben. Und die Dinger heißen Kellerasseln, dass du das weißt.
Igitt.
Günter war ein Freund aller Tiere außer Spinnen, Lurche, Molche und Kellerasseln. Wusstest du, dass Kellerasseln sogar einen Atomkrieg überstehen?
Das soll jetzt auch auf deinen Grabstein? Atomkrieg? Oder war das eine Frage?
Nein Gisela, dass jetzt nicht. Aber vielleicht irgendwas mit unserer Freundschaft?
Welche Freundschaft, Günter, wir sind verheiratet, das reicht doch.
Ok, irgendwas mit dir und Liebe und Zuneigung und so. Verdammt noch mal.
Sonnenuntergänge?
Sehr gut Gisela. Günter liebte Sonnenuntergänge, Tiere und unter anderem auch Gisela.
Sehr lieb von dir, dass du mich auf deinem Grabstein erwähnst, Günter, an dritter Stelle. Direkt nach Sonnenuntergängen und Tieren. Und was ist nun mit den Molchen?
Ach, was weiß ich. Schreib einfach: Hier liegt Günter. Das versteht jeder.
Gut, Günter. Ich sorge dafür. Möchtest du Großbuchstaben?
Von mir aus.
Dann lautet es nun: HIER LIEGT GÜNTER. DAS VERSTEHT JEDER.
Alles klar.