Kategorie-Archiv: Lürick

Ziellinie.

Wenn du erschöpft hinter der Ziellinie kniest,
um dich herum in die Gesichter siehst,
wenn Übelkeit dich quält und plagt,
wenn niemand nach deinem Namen fragt,
wenn der Hundertmeterlauf zu Ende ist,
dann weißt du, dass du Letzter bist.

Wenn Laufen nichts bringt, geh einfach schwimmen,
da kannst auch du noch was gewinnen.
V-förmiger Oberkörper, Bauchmuskeln bis zum Hals,
springst du ins Wasser und gewinnst, falls
du nicht hüpfst wie ein Korken oder Flummi,
mit Schwimmflügeln in rot aus Gummi.

An die Medaillen kommst du niemals ran,
Verlierer stellen sich hinten an.

Doch dann, ganz am Ende, im Dunkeln ein Licht:
Du gewinnst mit dem dusseligsten Gesicht.
Denn, das geht jetzt ganz tief rein,
die Letzten werden die Ersten sein.

Ein Gedicht.

Nach jahrelanger Dunkelheit
war Gott endlich auch so weit.
Er sprach: Ich mache jetzt mal Licht,
dann schreib ich ein Gedicht.

Und Gott in seinem hohen Alter
suchte nach dem Lampenschalter.
Er schnipste, schnalzte, fluchte:
Das gibt’s gar nicht, wonach ich suche.

Miesepetrig unzufrieden
hat er sich dann umentschieden.

Fürs Dichten und zum Jubilieren
krabbelt er auf allen Vieren
in den warmen Sonnenschein.
So sollt es sein.

Wenn die Sonne baden geht.

Die Sonne hat so eine Macke,
beim Baden trägt sie Badekappe,
wo Fische ihre Runden drehn,
kann man sie beim Baden sehn.

Am Ufer eine Muschel kichert
und dem Ostseekrebs versichert:
Die badet nicht, die gluckert.
Der Krebs hat gar nicht hingeguckert.

Im Hintergrund beim Horizont,
nicht wie sonst, ganz ungewohnt,
hört man dieses Jaulen,
die Sonne war am Kraulen.

Erst schnell, dann nur noch munter,
nach fünf Minuten ging sie unter.

Ich und mein Pferd Emmerich.

Ich und mein Pferd Emmerich,
wir froren beide fürchterlich.
Bei Schnee und Eis und Wellengang
ritten wir die Küste lang.

Es stürmte, schneite, toste, brauste,
der Wind von links herüber sauste,
Hände, Hufe froren ein,
das sollte so nicht sein.

Da sprach ich zu Emmerich:
Mein Gott ist das widerlich.
Emmerich zu mir:
Was wollen wir dann hier?

Und tief gefroren, jämmerlich
hoppelte dann Emmerich
mit mir zurück nach Hause.
Ohne Pause.

Am Ostseestrand. Pinkelnd.

Der Ostseestrand ‘ne lange Gerade,
leicht plätschernd klatscht da keine Welle,
ich pinkel eine kleine Delle.

Die Luft ist lau, das Wasser trübe,
das macht ja nix, ich übe.

Es rauschelt nichts, noch hör ich’s atmen,
dies Meer, dies glatte, kräuselnd meine Haare,
kein Windchen weht, kein Fähnchen dreht,
ich habe keine große Eile,
und pinkel noch ‘ne Weile.

Von weitem hört man Hunde bellen,
einen oder zwei, vielleicht auch vier.
Mir reicht’s, das ist so öde hier.

Der Ostseestrand am Weihnachtsmorgen,
steh pinkelnd hier, hab keine Sorgen.
Das Meer wird langsam etwas gelber,
versuch’s doch mal, pinkel doch selber.

Am Anfang war es Zucker.

Am Anfang war da dieses Wort,
dann war es nicht mehr dort,
war an einem andren Ort,
sehr weit fort.

Zur Mitte kam’s dann wieder,
sang wunderbare Lieder,
in Strapse und im Mieder,
über Holundersaft und Flieder.

Wir tanzten uns in Rhythmus,
wo man immer mit muss,
und ganz, ganz, ganz, ganz, ganz zum Schluss,
gab es dann noch Gruß und Kuss:

Alles Liebe, schöne Grüße,
deine Süße*.

*Entweder ist das ein Gedicht über eine verlorene Liebe oder über jemanden, der sich entschlossen hat, abzunehmen und dem Zucker ade zu sagen. Ich bin mir da nicht ganz im Klaren.

Und gewidmet ist dieses Gedicht Sandra Mundt vom Samundi Blog, die mich freundlicher Weise in ihre Blogroll aufgenommen hat…

Herbstn

Im glühend trüben Morgengraun
aus verklebten Augen den Tag anschaun,
über den Holstenplatz hastet ein Pudel.

Die S-Bahn quietscht, der Pudel furzt,
es ist des Herbstn’s früher gnurz,
ein Lamm fällt dort vom Baum.

Ein Trunkenbold die Arme hebt,
wedelt, schreit: Das Lamm, es lebt!

Die Blätter welken vor sich hin.
Ergibt das irgendeinen Sinn?

Du, Günter?
Ja, Gisela?
Was soll denn das mit dem Pudel?
Der? Nichts weiter. Der lief da so längs.
Ach.