Kategorie-Archiv: Tierwelt

Wenn nichts mehr geht.

Wenn nichts mehr geht, wenn alles düster aussieht, der Vorletzte das Licht schon gelöscht hat und man selbst der Letzte ist, wenn die Aussichten trübe und die Hoffnung vergebens scheint, wenn einem alles irgendwie voll blöd vorkommt und niemand einen mag, dann sollte man an etwas Positives denken und sich zum Beispiel vorstellen, King Kong wäre nach seinem Sturz vom World Trade Center gar nicht gestorben, sondern läge im Koma auf einem riesigen Krankenhausbett in einer riesigen Großaffenkrankenhalle und wäre umringt von verschiedensten menschenkleinen Spezialisten, die versuchen ihn zu retten und dabei feststellen, dass sie viel zu wenig Affenblut haben, dass sogar die Summe des Blutes aller Affen der Erde nicht ausreichen würde, um dem koma- und herzgeplagten King Kong die entsprechend notwendige Menge Spenderblut zur Verfügung zu stellen, und insgeheim denken auch einige der weniger Zuversichtlichen schon ans aufgeben, dem Affen ist ja doch nicht mehr zu helfen, lasst ihn uns ausstopfen und ins Museum stellen, nein, da kommt von der tapferen Tierärztin Amy, die sogar vor einer schwierigen Herz-OP an King Kongs Megaherz nicht zurückschreckt, die Parole: King Kong darf nicht sterben! Und wo eine Parole, da auch ein Weg. Durch Zufall wird auf einer Nebeninsel von King Kongs Heimat die Riesenaffendame Lady Kong gefunden, gefangen und zur Blutspende in die Großaffenkrankenhalle gebracht. King Kong bekommt seine ca. drei Milliarden Liter Blut, befreit sich und Lady Kong aus den Klauen der Spezialisten und beide leben zusammen mit ihrer Tierärztin Amy zufrieden bis in alle Ewigkeit und starren sich satt an supercoolen Sonnenuntergängen in der Karibik. Genau das sollte man sich vorstellen, wenn’s einem mal nicht so gut geht.

Anmerkung 1:
Den Film “King Kong lebt” gibt es tatsächlich. Er gilt als die offiziell schlechteste King Kong Verfilmung.

Anmerkung 2:
Der Vierte-Stock-Blog wird den Sommer über eine kreative Pause einlegen. Mir fällt im Moment nicht mehr so viel Blödsinn ein wie üblicherweise. Schreibblockade? Phft. Magen-Darm? Needoch. King Kong.

Bilderrausch

Ich eile durch die morgendliche Ödnis Altona-Nords in meinem Superman-Kostüm zur S-Bahn am Holstenplatz. Meine kurzborstigen Haare wehen im Wind. Sie sind zu einem Zopf geflochten.

Auf dem Weg treffe ich am Kiosk den betrunkenen Feuersalamander. Er zeichnet mit dem Schwanz ein Zorro-Zett in die Luft und rülpst dabei die mexikanische Nationalhymne. Rückwärts.

Eine einsam dahingleitende Waldame zieht an mir vorbei. Sie nennt sich Graceland, so wie die Villa von Michael Jackson. Sie kann auch so tanzen wie er. Aber nicht so singen. Sie trägt Jeansrock und dicke Beine mit grüner Strumpfhose.

Vor mir steht das zerzauste Schlachtross Wanda. Wanda ist am Hartz IV-Satz irre geworden. Ab Mitte des Monats läuft sie durchs Viertel und fordert anklagend milde Gaben. Wanda riecht nach Aufstand und einer undefinierbar dreckigen, nie gewaschenen Unterhose.

Im Mondschein kehre ich von der Arbeit zurück. Der arbeitslose Wolf springt mich an und droht mir mit Sozialneid. Ich wechsle mein Rotkäppchen-Kostüm gegen das des Elefanten und tröte ihm eins.

Im vierten Stock angekommen, höre ich Brian Wilsons Good Vibrations. Die Welt ist soweit in Ordnung.

Der Hase.

Als Jesus zum ersten Mal einen Hasen sah, dachte er für sich: Äh, warum hat der Hase denn so lange Ohren? Erstaunlich daran war, dass er ‘Äh’ gedacht hatte und dass er wusste, dass dieses Tier mit den langen Ohren ein Hase war und, nur so als Beispiel, kein Günter. Sonst hätte er ja wohl zu sich gesagt: Äh, warum hat der Günter denn so lange Ohren? Wobei er natürlich festgestellt hätte, dass ich gar keine lange Ohren habe, oder Gisela?
Ja, Günter.
Jesus sah also diesen Hasen mit seinen langen Ohren und lief zu ihm hin und der Hase blieb sitzen, was Hasen sonst nicht tun, und Jesus zog vor Freude den Hasen an seinen Ohren und der Hase ließ das zu, was Hasen normalerweise auch nicht tun, und Jesus sagte: Hallo Langohr. Hörst du, Gisela?
Ja, Günter. Jesus sagte zum Hasen: Hörst du, Gisela?
Nee, Gisela, das hat er natürlich nicht gesagt. Woher sollte er dich denn kennen? Und du siehst doch auch gar nicht aus wie ein Hase. Obwohl, äh, zeig doch mal deine Zähne.
Günter!
Hallo Langohr, sagte Jesus also zu dem Hasen, und: Jetzt hoppel mal da übers Wasser. Und der Hase tat, was Jesus ihm gesagt hatte. Jesus fing an zu lachen und lief dem Hasen hinterher. Und das war dann dieser berühmte Moment, von dem immer alle reden.

Günter?
Ja, Gisela?
Ist Jesus echt übers Wasser gehoppelt?
Ach, was weiß ich. Jetzt kommt Quo Vadis im Fernsehen. Mal sehn, was da so alles passiert.

Dackelliebe

Die Dackelhündin Lydia schüttelte ihr Dackelhaar,
sie blinzelte nach rechts, nach links, und alles wegen diesem Dings.

Wie hieß er noch? Ach, Gottchen: Walter. War ein Pudel, im richtigen Alter.
Sein Herrchen, was machte es noch gleich? Ja klar, Internetstartup und ziemlich reich.

Spätabends mit Frauchen in die Singlebar, auch Walter war mit Herrchen da.
Der machte einen auf Krösus und Fett, Walter selbst war ziemlich nett.

Noch später dann, im Morgengrauen, müde, zerzaust, kaum Selbstvertrauen,
kam Lydia ein letzter Gedanke: Ich trau mich nicht und schwanke.

Das wird so nix mit Walter, der Pudel hat den falschen Halter.
Was soll das auch, dies rumgejuckel, herausgekommen wäre ein Puckel.

Oder ein Padel. Oder ein Packel. Oder ein Dadel. Oder so.

Das große Schubidu

Das große Schubidu begann an dem Tag, als es der Mücke gelang, dem Elefanten ins Ohr zu stechen, ganz hinten, da, wo er auf keinen Fall mit seinem Rüssel dem Jucken entgegen kratzen konnte. Der Elefant machte, so wie es seine Art war, seine Frau Gisela verantwortlich und trat ihr gegen ihr vorderes rechtes Schienbein. Gisela kippte um und stellte sich eine Woche tot oder imitierte einen elefantenmäßig todesähnlichen Zustand. Sie atmete flach, trank im Liegen Wasser aus einer Pfütze und ignorierte alle Aufforderungen, doch bitte endlich wieder aufzustehen. Gisela hatte, anders als andere Elefanten, glücklicherweise ein Gedächtnis, das nur genau eine Woche zurück reichte. Am Ende der Woche hatte sie vergessen, weswegen sie sich hingelegt hatte und erhob sich. Günter, ihr Elefantenmann, der mit dem Mückenstich im Ohr, stimmte augenblicklich das große Schubiduhuhu an. Um keine schlafenden Hunde (oder Elefanten) zu wecken, entschuldigte er sich allerdings nicht bei seiner Elefantenfrau, nicht dass ihr hinterher noch irgendetwas wieder einfiel. Das Ende des großen Schubiduhuhus war ein hinterbeiniger Stepptanz, den Günter in der staubigen Savanne auf ein gedachtes Parkett hinlegte, so als sei er der Gott des Stepptanzes. Im Hintergrund ging, riesenhaft rötlich und dem Anlass entsprechend, die Sonne unter. Alle Menschen, Tiere, Pflanzen und sonstige Geister der Savanne hielten für einen kurzen Moment inne, starrten auf den stepptanzenden Elefanten und kratzen sich, soweit sie einen hatten, am Hinterkopf. Das taten sie solange, bis jemand mit der Hand abwinkte und sagte: Ach, das ist ja das große Schubiduhuhu. Das hab ich aber auch wirklich lange nicht mehr gesehen. Wie schön.

Seit dieser Zeit hat das große Schubidu niemand mehr gesehen. Das mag daran liegen, dass keiner richtig hinguckt oder einem beim genaueren Hingucken Zweifel kommen, ob das, was er da sieht, auch wahr ist. Günter jedenfalls hat seiner Frau nie wieder gegen das Schienbein getreten. Er steppt jetzt lieber.

Inwendig Liebe

Also, sprach das Wildschwein, äußerlich betrachtet bin ich ja auf Krawall gebürstet, aber inwendig, ganz tief in mir drin, kurz vor der tierischen Empfindsamkeit sozusagen, da bin ich nur Liebe.
Sie suhlen sich trotzdem gerne, oder?
Aber ja. Schlammbäder haben diesen Hauch von Vollkommenheit, so eine verworfene Dreckigkeit. Aber inwendig, da bin ich voller Liebe und Sauberkeit.
Und Sie schubbern Ihren Rücken an Bäumen?
Ja. Ich schubbere für mein Leben gern. Der Baum und die wilde Sau, das ist eine lebenslange Beziehung. Ich glaube, Bäume haben in sich drin auch Liebe. Die Liebe ist ja letztlich in allem.
Sie stinken?
Meistens.
Meisten manchmal oder meistens und manchmal auch noch?
Eher meistens. Ich stinke und dazu stehe ich. Inwendig aber, da bin ich wie eine Duftkerze, eine blühende Rose, ein Lavendelzweig. Eine Orgie an schönen Gerüchen sozusagen.
Sie sind aber ein Wildschwein?
Wildschwein hin, Sauhaufen her, wir sind doch alle das, was wir in uns haben: Ein jeder trägt da sein eigenes Päckchen.
Oh, eine philosophisch angehauchte, lieblich riechende Sudelsau. Kann man das so sagen?
Ganz genau.
Vielen Dank für das Gespräch. Wir gehen nie wieder Jagen.

Harriet ist tot

Mach mal den Spunk da weg. Den da? Nee, den anderen, den mit Gnubbel. Den rechten? Nein, meine Güte, rechts den, der da hat doch gar keinen Gnubbel. Du meinst den anderen? Ja, welchen denn sonst? Wie viele Spunks siehst du denn? Ehrlich? Natürlich, immer ehrlich, du erinnerst dich? Hatten wir uns doch geschworen, immer ehrlich bleiben. Fünfzehn. Wie fünfzehn? Na, dreizehn Spunks links und zwei rechts. Ok, wenn du das so siehst. Der rechte von den beiden linken, den machst du jetzt bitte weg. Aber der müffelt. Nee, echt? Ist ja eklig. Mach ihn trotzdem weg. So, der ist jetzt weg. Kann ich sonst noch was für dich tun? Ja, ich habe da noch eine Frage. Ok, frag. Der erste Spunk im All war ein Hund. Kurz nach dem ersten Spunknik. Der erste Spunk auf dem Mond war dann ein Amerikaner. Und nun meine Frage: Gibt es finnische Spunks? Nicht, dass ich wüsste. Die müssten ja Spünkihüännen heißen oder so. Und können Spunks Juckreiz verursachen? Von was redest du eigentlich? Was glaubst du denn, was ein Spunk ist? Na dieses Dings mit dem Gnubbel war doch auch ein Spunk. Und? Ja, Spunks haben Gnubbel, sind meistens irgendwie farbig und riechen leicht angemüffelt. Da magst du recht haben, ich habe noch nie von einem schwarzweißen Spunk gehört, und das mit dem Müffeln kommt mit dem Alter, soweit ich weiß. Wie alt werden Spunks denn so? Vielleicht so um und bei etwa ca. oder auch mehr oder weniger. Du weißt das nicht? Woher denn? Woher soll ich wissen, wie alt ein Spunk wird? Bin ich Einstein, oder was? Du weißt doch sonst alles. Na gut, Spunks werden so alt wie, äh, Wale. Normale Wale? Ja klar, Wale. Buckel oder Blau? Häh? Buckelwal oder Blauwal? Finnwal? Beluga? Schweinswal? Tümmler? Meine Güte, lass das jetzt. Spunks werden so alt wie Galapagosschildkröten, reicht das? Ja klar, hättest du auch gleich sagen können, dass Harriet ein Spunk war, weiß ja wohl jeder. Wer ist denn jetzt Harriet? Harriet war eine Galapagos-Riesenschildkröte und starb am 23. Juni 2006 an Herzversagen im Australia Zoo in Queensland, Australien. Sie wurde etwa 1830 auf den Galapagosinseln geboren. Ganz klar ein etwa hundertfünfundsiebzigjähriger Spunk. Klar, Spunk, sag ich doch.
Du? Ja? Harriet war ein Weibchen. Ja, und? Spunki, Spunkine oder wie jetzt?